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An der Schwelle: Klimaschutz braucht Baupolitik

„Die Klimawende gelingt nur mit einer Förderarchitektur, die sich auf die CO2-Senkung im Altbau konzentriert“, sagt HENNING GÖBEL, Vorstandsvorsitzender der BHW Bausparkasse

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Henning Göbel, Vorstandsvorsitzender der BHW Bausparkasse. Foto: hir

Der Auftaktins Bau- und Modernisierungsjahr 2022 war für viele Menschen turbulent. Der vorzeitige Förder-Stopp für zwei Programme der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sorgte allenthalben für Verunsicherung. Durch den unerwarteten Ansturm auf die Mittel wurden die Förderungen gewissermaßen Opfer des eigenen Erfolgs. Für viele Bauende bedeutete das bange Tage.

Verlässliche Förderung

Diese Vollbremsung offenbart, vor welchen Herausforderungen die Politik steht, um die Weichen für die Klimawende beim Bauen neu zu stellen. Wir stehen heute an einer wichtigen Schwelle: Bis 2030, also in weniger als zehn Jahren, sollen die CO2-Emissionen um zwei Drittel gesenkt werden. Das geht nur mit Hilfe der Immobilienbesitzerinnen und -besitzer. Unsere neue Umfrage zeigt, dass 40 Prozent der Deutschen mit Wohneigentum innerhalb der nächsten fünf Jahre eine Modernisierung zur CO2-Reduzierung planen. Wichtig ist jetzt, diese Bereitschaft durch neue Fördermodelle zu unterstützen. Wer investiert, erwartet transparente und zuverlässige Rahmenbedingungen. Dabei geht es nicht in erster Linie um Besserverdiener, sondern um Familien mit mittleren Einkommen, die Altbauten energetisch fit machen wollen. Oder um Ältere, die in ihre sanierungsbedürftigen Immobilien aus den 50er oder 60er Jahren investieren sollen. Sie alle brauchen die Gewissheit, ihre Ausgaben stemmen zu können; bei Bedarf mithilfe staatlicher Rückendeckung.

Altbau im Fokus

Es ist ein gutes Signal, dass noch 2022 zwei neue Maßnahmenpakete auf den Weg gebracht werden. Sie sollten Bestandsgebäude in den Fokus rücken, weil hier die größten CO2-Effekte zu erzielen sind. Gleichzeitig wäre sträflich, Neubauprojekte  nicht mit der neuesten CO2-neutralen Technik auszustatten und dies wirtschaftlich zu unterstützen. Ergänzt werden können die staatlichen Förderungen mit speziellen Darlehen, die wir als Finanzierer für nachhaltige Projekte bereitstellen. Doch bei allen finanziellen Anreizen - häufig übersehen wir, dass Immobilienbereich zügig zu einer echten Kreislaufwirtschaft kommen muss. CO2 entsteht schließlich über den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie von der Herstellung der Baumaterialien bis zur Entsorgung. Es gibt viel zu tun für die Ampelkoalition, aber auch für die Bauwirtschaft und für uns, die Finanzierer. Lassen Sie uns die Ärmel aufkrempeln und diese Herkulesaufgabe gemeinsam in Angriffnehmen. Jetzt!