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Home Sonderthemen Grimmen „Wir sind mit Operationen vorsichtig“
22:59 28.03.2019
In den Dr. Ebel-Fachkliniken „Moorbad“ Bad Doberan führen der Chefarzt der Orthopädie, Dr. Stephan Vick (r.), und Sporttherapeut Jochen Bülow (l.) Gleichgewichtsübungen mit dem Patienten Martin Radtke durch. FOTO: W GESKE
Heilpraktikerpraxis Sames / Schule für Stilles Qi Gong a. Darß
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Von Werner Geske 

Martin Radtke liebt es, auf schnellen Kufen über das Eis zu flitzen. „Schlittschuh laufen ist meine Leidenschaft“, gesteht der 48-jährige Bauarbeiter aus Güstrow. Deshalb machte er sich am 28. Dezember vergangenen Jahres mit seiner Tochter wieder einmal auf in die Malchower Eishalle, um dort seine Runden zu drehen. Doch hatte der Spaß schnell ein Ende. Radtke, eben noch voll in seinem Element, stürzte so unglücklich, dass er sich einen Oberschenkelhalsbruch zuzog.

Bei der folgenden hüftkopferhaltenden Operation wurden die Bruchstücke in korrekter Stellung wieder eingerenkt und verschraubt. Schon ab Mitte Januar konnte der Güstrower in der Dr. Ebel-Fachklinik, Moorbad Bad Doberan, mit seiner Rehabilitation beginnen. „Denn in jedem Fall ist es wichtig, dass Patienten nach der Operation so schnell wie möglich wieder mobil werden. Deshalb wird durch spezielle Übungen für Muskelstabilität, Muskelkoordination und Beweglichkeit gesorgt“, betont Chefarzt Dr. Stephan Vick (53). Der Facharzt für Orthopädie war zufrieden mit den Fortschritten, die Martin Radtke unter Anleitung des Sporttherapeuten Jochen Bülow (54) gemacht hatte. „Ich kann jetzt sogar schon kleine Strecken ohne Hilfsmittel gehen“, so der Patient.

In diesem Fall musste die OP sein. Doch nicht immer müssen die Patienten unters Messer. „Durch Physiotherapie lassen sich heute schon viele operative Eingriffe vermeiden. Wir sind sowieso mit allen Operationen vorsichtig“, sagt Dr. Vick. In seinem Verantwortungsbereich werden sowohl anlagebedingte kindliche Erkrankungen am Bewegungsapparat, als auch Beschwerden im mittleren und höheren Alter behandelt. Die Entscheidung für oder gegen einen Eingriff, gerade im mittleren Alter, hängt von der Lebenssituation, den Lebensansprüchen des Betreffenden und dem Leidensdruck ab, unter dem er steht.

„Ich frage meine Patienten deshalb zuerst, was sie im Alltag stört“, meint der Mediziner. In jedem Lebensabschnitt gibt es Erkrankungen des Bewegungsapparates. Schmerzen sollten auf keinen Fall ignoriert werden. Fehlfunktionen über einen langen Zeitraum können größere Komplikationen nach sich ziehen. Doch nicht in allen Fällen muss sofort operiert werden. Oft reicht auch eine gute, konservative Behandlung. Zumal es sich bei nur 20 Prozent der Fälle um eine strukturelle Störung, also Erkrankung, handelt.

„Allerdings geht es nicht ohne eine differenzierte Untersuchung, um die richtigen Behandlungsmaßnahmen festzulegen“, erklärt der Fachmann. Wenn jemand beruflich unabkömmlich oder aktiv in Sport und Freizeit sei und darauf nicht verzichten wolle, könne eine Operation als schnelle Problemlösung infrage kommen, sagt er.

Auf jeden Fall setze eine solche Entscheidung ein intensives Gespräch zwischen Arzt und Patienten voraus, um eine richtige Diagnose zu stellen. Dabei gelte es zu klären, ob das Risiko eines Eingriffs eingegangen werden solle oder ob die Schmerzen nicht besser durch Medikamente, eine physikalische Therapie oder eine Physiotherapie behandelt werden. „Sie sind auf jeden Fall einer Operation vorzuziehen, wenn sie Erfolg versprechen“, sagt der Chefarzt.

Doch auch ohne diese präventiven Maßnahmen könne jeder dazu beitragen, dass er lange die Leistungsfähigkeit von Muskulatur und Gelenken erhalte, betont Dr. Vick. „Wichtig ist es, die Muskelgruppen zu dehnen und zu kräftigen. Wichtig ist dabei, sowohl die für nur einen kurzen Einsatz vorgesehenen Arbeitsmuskel als auch die für eine Dauerbelastung geeignete Haltemuskulatur gleichermaßen zu trainieren.“

Gerade bei der letzteren komme es oft zu einer Verkürzung, wenn sie vernachlässigt wird. Ohne fachliche Anleitung treten beim Muskeltraining immer wieder eklatante Fehler auf: Dann geht es oft schnell in die falsche Richtung. Im „Moorbad“ wird in der medizinischen Trainingstherapie vorrangig die Haltemuskulatur gestärkt. „Wer das durchlaufen hat, kann auch ins Fitnessstudio gehen, im Sportverein oder zu Hause üben. Wichtig ist, dranzubleiben“, so der Orthopäde.

Dranzubleiben empfiehlt er besonders den Älteren. Es reiche schon, jeden Tag einen längeren Spaziergang zu machen. Dabei sei freies, aufrechtes Gehen wichtig, ohne dabei eine Last zu tragen. Sonne, frische Luft und Bewegung empfiehlt Dr. Vick als eine wirksame Medizin.

Und den Senioren, denen künstliche Gelenke eingesetzt wurden, legt er ans Herz: „Eine künstliche Hüfte ist nur so gut, wie die Nachbehandlung ist. Das heißt, wie es gelingt, die Muskulatur zu kräftigen. Wir können dazu durch Krankengymnastik, Physiotherapie und spezielle Reha-Maßnahmen beitragen. Doch auf Dauer muss der Patient seine Muskeln selbst trainieren.“

Ursachen für Rückenschmerzen oder abgenutzte Gelenke können einseitige Körperhaltung, lang währender Stress, Bewegungsmangel, rückenunfreundliche Bewegungsmuster, Übergewicht oder Traumata (Verletzungen) sein.

Die Experten der „Moorbad“-Klinik Bad Doberan empfehlen Grundregeln: Gerade sitzen, Knie- und Fußgelenke übereinander, Becken leicht nach vorn gekippt, Brustkorb gehoben, Schultern hinten. Immer wieder Position ändern oder aufstehen. Lasten nur mit geradem Rücken heben. Hüftbreit stehen, Knie leicht gebeugt, Schultern nach hinten unten gezogen, Kinn leicht unten, Kopf leicht nach hinten.

Wichtig ist die Schulung der Körperwahrnehmung, zum Beispiel durch Yoga, Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung und Pilates.

Übung für die Arbeitspause Nummer eins: Sporttherapeutin Silke Bull aus Rostock zeigt, wie Bauch- und Beinmuskulatur effektiv trainiert werden können.
Übung für die Arbeitspause Nummer eins: Sporttherapeutin Silke Bull aus Rostock zeigt, wie Bauch- und Beinmuskulatur effektiv trainiert werden können.

Rostock. Mit der Yoga-Matte in die Arbeitspause. „Schmerzen im Rücken entstehen meist durch eine einseitige Belastung, vor allem durch zu langes Sitzen“, sagt Silke Bull (52), Geschäftsführerin des Heil- und Bewegungszentrums in Rostock. Sie ist davon überzeugt, dass es gar nicht erst zu Beschwerden kommen muss, wenn rechtzeitig vorgebeugt wird. „Dabei können mit relativ wenig Aufwand große Effekte erreicht werden.“

Warum also nicht einmal im Büro die Yoga-Matte ausrollen und ein paar Übungen machen? Silke Bull demonstriert ganz praktisch, wie diese aussehen könnten – ein leichtes Training für Bauchmuskulatur und Rücken (siehe Fotos).

Pausenübung Nummer zwei: Auf diese Weise wird auch die Rückenmuskulatur beansprucht. FOTOS (3): WERNER GESKE
Pausenübung Nummer zwei: Auf diese Weise wird auch die Rückenmuskulatur beansprucht. FOTOS (3): WERNER GESKE
Pausenübung Nummer drei: Hier geht es wieder vor allem um den Bauch. Rückenschmerzen deuten nämlich auch auf schwache Bauchmuskeln.
Pausenübung Nummer drei: Hier geht es wieder vor allem um den Bauch. Rückenschmerzen deuten nämlich auch auf schwache Bauchmuskeln.

Außerdem empfiehlt die Sporttherapeutin das „mobile Sitzen“. Dazu zählt die Verwendung von Sitzbällen, Luftsitzkissen oder instabilen Stühlen und Hockern. „Auch zum flexiblen Sitzen, gemeint ist damit der Wechsel zwischen Sitzen und Stehen, kann ich nur raten.“ Besonders viel hält die Expertin davon, „den Rückenschmerz einfach wegzugehen“. Wer täglich mindestens eine halbe Stunde zügig spazierengehe, tue seinem Rücken garantiert etwas Gutes, weil die Muskulatur dabei ganzheitlich belastet werde. Werner Geske


Dr. Klaus Friedrich Becher (l.) und Dr. Johanna Myllymäki vom Helios Hanseklinikum Stralsund betreuen Demenz-Patienten. FOTO: C. RÖDEL
Dr. Klaus Friedrich Becher (l.) und Dr. Johanna Myllymäki vom Helios Hanseklinikum Stralsund betreuen Demenz-Patienten. FOTO: C. RÖDEL

Von Christian Rödel 

Stralsund. Der fortschreitende und dauerhafte Verlust des Gedächtnisses zusammen mit Orientierungsstörungen wird als Demenz bezeichnet. Eine der häufigsten Formen ist die Alzheimer-Demenz.

Der Umgang mit diesen Erkrankungen ist eine Herausforderung für Angehörige, aber auch für Ärzte. „Es gibt etwa 100 Formen von Demenz-Erkrankungen, die sehr unterschiedlich sein können. Und es existieren diverse Mischformen, die unter anderem mit neuro-psychologischen Tests und Bildgebung gut zu diagnostizieren sind“, sagt Dr. Klaus Friedrich Becher, Chefarzt der Fachabteilung für Geriatrie und Frührehabilitation am Stralsunder Helios Hanseklinikum.

Es sei falsch zu behaupten, dass es keine Heilung für Patienten mit Demenz gibt. Vielmehr ist es entscheidend, dass eine Diagnostik früh stattfindet. „Es kann zum Beispiel ein kleiner Schlaganfall sein, der zu temporären Gedächtnisausfällen führt. Auch Vitamin-B-Mangelzustände und Depressionen, die wir als Pseudodemenz bezeichnen, sind zu beachten“, so der Altersmediziner. In zwei bis zehn Prozent der Fälle könne zudem eine Schilddrüsen- Unterfunktion die Ursache für Gedächtnisausfälle darstellen.

Am Helios-Klinikum Stralsund haben sich Becher und sein Team der Geriatrie verschrieben. Auf ihrer Station behandeln sie jährlich rund 950 Patienten. 20 Zimmer ermöglichen die medizinische und pflegerische Betreuung von 42 Erkrankten. Speziell geschultes Personal ermöglicht eine individuelle Betreuung, und auch die Struktur des Hauses ist auf Patienten mit Demenz- Erkrankungen abgestimmt. Eine klare Farbgebung im Krankenhaus, gut zugängliche und sichtbare Uhren und Kalender sowie abgestimmte räumliche Zuordnungen helfen bei der Orientierung.

„Es geht darum, den Patienten eine größtmögliche Selbstständigkeit und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu erhalten“, sagt Dr. Johanna Myllymäki, Psychogerontologin der Institutsambulanz für Gerontopsychiatrie und Psychotherapie am Stralsunder Helios Hanseklinikum. Für die Fachfrau ist es wichtig, dass die Angehörigen in alle Entscheidungen eingebunden werden. „In der Gesellschaft sollten Akzeptanz und Toleranz hinsichtlich der Patienten mit Demenz weiter entwickelt werden, weil es normal ist, dass die Häufigkeit dieser Erkrankung zunimmt. Denn die Lebenserwartung der Menschen nimmt ja bekanntlich auch zu“, betont die Psychogerontologin.

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