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Home Sonderthemen Grimmen Wenn Hauseigentümer auf dem Schaden sitzenbleiben
07:36 15.11.2019
Diese am 5. Mai 2015 entstandene Aufnahme zeigt eine Windhose über einem Waldstück etwa 15 Kilometer von Bützow (Landkreis Rostock) entfernt. An diesem Tag war ein Tornado durch die mecklenburgische Kleinstadt gezogen und hatte in nur zehn Minuten große Verwüstungen hinterlassen. FOTO: HEIN-GODEHART PETSCHULAT/DPA
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Von Matthias Schümann 

Rostock. Palmen in Mecklenburg – diese Vision im Zusammenhang mit den Folgen des Klimawandels tauchte nur kurzzeitig am Anfang der Diskussionen über die Erderwärmung auf. Mittlerweile ist klar: Vor allem die Wetterextreme verstärken und häufen sich durch die Veränderung des Klimas.

Gut in Erinnerung ist der Tornado, der 2015 über Bützow (Landkreis Rostock) hinwegfegte und Schäden in Millionenhöhe hinterließ. Aufsehen erregte unter anderem die Überflutung von Teilen Bad Doberans Ende September dieses Jahres. Eine Folge: Das dortige Friderico-Francisceum-Gymnasium muss saniert werden.

Über die vielen Schäden, die die Wetterkapriolen in kleinen Haushalten anrichten, wird weniger berichtet. Dafür müssen sich Hausbesitzer und Mieter zunehmend mit einem Problem auseinandersetzen: Versicherungen. Wer die Schultern zuckt und denkt: Ich bin ja versichert, den holt der Rostocker Versicherungsexperte Jörg Rackow auf den Boden der Tatsachen zurück.
  

Der Tornado in der Region Bützow hatte am 5. Mai auch dieses reetgedeckte Bauernhaus in Rühn fast vollständig zerstört. FOTO: JENS BÜTTNER/DPA
Der Tornado in der Region Bützow hatte am 5. Mai auch dieses reetgedeckte Bauernhaus in Rühn fast vollständig zerstört. FOTO: JENS BÜTTNER/DPA

„Nur rund 43 Prozent der Haushalte in Deutschland haben eine sogenannte Elementarversicherung abgeschlossen. Diese kommt für Schäden durch Starkregen und Überschwemmungen auf“, erläutert der Sprecher des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute BVK in MV.

„Hochwasser gilt als „elementare Naturgefahr“, erklärt Rackow. Auf Erstattung der Schäden dürfen also nur diejenigen hoffen, die an ihre Versicherungen für Wohngebäude und Hausrat einen sogenannten Elementarschadenschutz angekoppelt haben, betont der Hansestädter. „Doch für die Schäden, die durch den Starkregen und Rückstaus in der Kanalisation entstanden, sind nur Elementarschadenversicherungen zuständig“, sagt Rackow. Immerhin: Wer solch einen Zusatz eingerichtet hat, ist gleich noch gegen Erdrutsche, Lawinen, Schneedruck, Erdsenkung und sogar Erdbeben abgesichert.

Die Verbraucherzentrale MV rät allerdings auch bei der Elementarschadenversicherung, auf das Kleingedruckte zu achten. Denn nicht versichert sind zum Beispiel Schäden, die durch eine Sturmflut entstehen oder durch Grundwasser, das nicht an die Oberfläche gelangt. Der Rostocker Berater Stephan Tietz verweist auf entsprechende Unterlagen, die die Verbraucherzentrale zur Verfügung stellt. „Dringt Grundwasser also von unten in das Mauerwerk des Kellers ein, weil es erheblich gestiegen ist, handelt es sich nicht um einen versicherten Schaden“, heißt es in einer Erklärung der Verbraucherschützer für Versicherte. In der Praxis stehen Hausbesitzer dann häufig vor dem Problem einer Beweisführung: Wie ist das Wasser tatsächlich ins Gebäude gekommen?
  

Versicherungsmakler Jörg Rackow, Vertreter des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute FOTO: WERNER GESKE
Versicherungsmakler Jörg Rackow, Vertreter des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute FOTO: WERNER GESKE

Ein weiteres Problem ist die Verunreinigung von Gebäuden und Gewässern, wenn sich etwa in einem gefluteten Keller ein Öltank losreißt und ausläuft. Diese Schäden deckt die Elementarschadenversicherung wiederum nicht ab. „Deshalb sollten Hauseigentümer, die Ölheizungen besitzen, selbst wenn sie sich absolut sicher vor Überschwemmungsschäden fühlen, an eine Gewässerschadenhaftpflichtbzw. Öltankversicherung denken“, rät Jörg Rackow.

Für Autobesitzer ist die Situation einfacher: Kommt auf einer überfluteten Straße oder in einer Tiefgarage ein Wagen zu Schaden, zahlt meist die Versicherung – abzüglich des Eigenanteils. Gleiches gilt für Äste oder ganze Bäume, die der Sturm aufs Auto wirft.

Grundsätzlich sind auch Häuser oder Wohnungen durch die gängigen Gebäude- und Hausratversicherungen gegen Sturm abgesichert. Voraussetzung: Es handelt sich tatsächlich um einen Sturm. Und der geht für Versicherungsleute bei Windstärke acht los, also wenn der Wind mit mindestens 62,1 km/h übers Land fegt.
  

Ein schweres Unwetter mit Gewitter und Starkregen hat am 15. Juni 2019 die Region rund um Bad Doberan und Neubukow getroffen. FOTO: ANDREAS MEYER
Ein schweres Unwetter mit Gewitter und Starkregen hat am 15. Juni 2019 die Region rund um Bad Doberan und Neubukow getroffen. FOTO: ANDREAS MEYER

Das Tiefdruckgebiet „Eberhard“ erreichte Anfang des Jahres Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 km/h. Da ist der Versicherungsschutz unstrittig. Problematisch ist es, wenn Windgeschwindigkeiten an der Grenze liegen – oder wenn die Wetterereignisse lokal begrenzt sind –, so wie der Tornado von Bützow. Dann frequentieren Hausbesitzer zum Beispiel die Wetterwarte in Greifswald, die über extreme Ereignisse für Versicherungsfälle nützliche Auskunft geben kann. Allerdings gibt es kein flächendeckendes Netz von Messstationen, sodass nicht jedes begrenzte Ereignis auch dokumentiert wird.

Wenn ein Baum auf dem Nachbargrundstück entwurzelt wird, ist zunächst einmal auch die eigene Versicherung verantwortlich. Ob der Baum alt und krank war und der Nachbar hätte besser vorsorgen müssen, das mögen die Versicherer klären, sagt Jörg Rackow. Und auch wenn nach einem Sturm keine größeren Schäden auszumachen sind, rät der Experte zur genauen Inspektion zum Beispiel des Daches. „Auch verschobene oder gerissene Dachziegel sind Sturmschäden, die auf Kosten der Gebäudeversicherung gerichtet werden sollten“, verdeutlicht Rackow. Grundsätzlich gelte: Alle Schäden sollten zügig gemeldet werden. Die Betroffenen sollten Fotos von den Schäden machen, die dann den Versicherungskaufleuten die Arbeit erleichtern.

Versicherungen sehen immer genauer hin, wenn es um Elementarschäden geht, etwa wie häufig in einem Gebiet bestimmte Schäden aufgetreten sind. Die Verbraucherzentrale MV hat zudem die Erfahrung gemacht, dass Verträge, etwa der Wohngebäudeversicherung, außerordentlich gekündigt werden. Verbraucher haben anschließend oft Probleme, neue Verträge zu bekommen. Droht also eine Kündigung, raten die Verbraucherschützer dazu, selber zu kündigen, weil das die anschließende Vertragssuche erleichtere.
  

Schäden durch Hagel, Sturm (ab Windstärke 8), Überschwemmung, Erdbeben, Erdsenkung, Schneedruck oder auch Vulkanausbrüche gelten laut Verbraucherzentrale MV als Elementarschäden. Probleme, die durch Sturm, Hagel oder Blitzschlag entstehen, sind über die Gebäudeversicherung und die Hausratversicherung abgesichert.

Dies sollten Geschädigte im Schadensfall unbedingt beachten:

Schäden müssen der Versicherungsgesellschaft umgehend und wahrheitsgetreu gemeldet werden. Zudem ist das weitere Vorgehen zu erfragen.

Der Schaden muss gemindert werden. Das heißt, Gefahrenquellen sind zu beseitigen und so abzusichern, dass kein weiterer Schaden entsteht. Dazu gehört beispielsweise, das Dach notdürftig abzudichten und vollgelaufene Keller auszuschöpfen.

Mit Fotos oder Video die Schäden detailliert festhalten. Zerstörte oder beschädigte Gegenstände nicht wegwerfen!

Kommt ein sogenannter Regulierer der Versicherung vorbei, dann ist das kein unabhängiger Gutachter. Er vertritt die Interessen des Versicherers.

Die Auftragserteilung an Handwerker sollte so genau wie möglich vorgenommen werden. Auftragsumfang, Termine und Vergütung sind verbindlich zu regeln, wenn möglich mit Kostenvoranschlag. Dieses Vorgehen ist mit dem Versicherer abzusprechen.

Rostock. Die ordnungsgemäße Beseitigung des Herbstlaubes beschäftigt jedes Jahr im Herbst die Gerichte. Die Pflicht dazu obliegt der Gemeinde, dem Grundbesitzer, dem Vermieter oder dem Mieter. Grundsätzlich gilt, dass die Gemeinden diese Verkehrssicherungspflicht tragen.

„Sie müssen dafür Sorge tragen, dass Straßen und Gehwege gefahrlos genutzt werden können. Sie können diese Pflicht jedoch per Satzung auf die Grundstückseigentümer übertragen, die wiederum bei vermieteten Objekten in den meisten Fällen an die Mieter weitergegeben wird“, betonen Experten der ARAG-Versicherungen.

Vermieter sollten bei Abschluss eines Mietvertrags darauf achten, dass die Pflichten für den Räum- und Streudienst einschließlich des Laubfegens klar geregelt sind. Entweder übernimmt der Mieter diese Aufgabe oder sie wird durch eine Firma erledigt. Die Kosten können dem Mieter auferlegt werden.

Mieter müssen die Pflichten zur Räumung und zum Fegen bzw. die Kosten nur übernehmen, wenn diese im Mietvertrag auf sie abgewälzt wurden. Sollte es im Vertrag keine Regelung geben, so kann der Vermieter dies nicht später nachholen, sondern muss sich selbst darum kümmern und dafür aufkommen.

In einem Haus mit Eigentumswohnungen haften alle Eigentümer gemeinsam. Wenn aber geregelt wurde, dass die Wohnungsmieter die Räumpflicht bei Herbstlaub auf angrenzenden Gehwegen zu erfüllen haben, obliegt den Eigentümern lediglich eine Kontroll- und Überwachungspflicht.

Ist die Räumpflicht nicht klar geregelt, können die Eigentümer als Gesamtschuldner schadenersatzpflichtig gemacht werden. Das gilt, wenn eine Mieterin auf dem Gehweg ausrutscht und sich verletzt, entschieden die Richter des Oberlandesgerichts in Frankfurt am Main (OLG Frankfurt/ Main, Az.: 3 U 93/01).


Wiesbaden. Viele Dachrinnen und Fallrohre sind im Herbst durch Laub und Schmutz verstopft und können bei starkem Regen überlaufen. Die Folge sind oft teure Schäden an Fassade und Mauerwerk – für die die Versicherung nicht aufkommt. Das R+V-Infocenter rät deshalb, die Abläufe regelmäßig zu reinigen.

Wenn Leitungswasser im Haus austritt, springt in der Regel die Wohngebäudeversicherung ein. Bei Schäden durch Regenwasser sieht das anders aus: Ist eine verstopfte Dachrinne die Ursache, muss der Hauseigentümer die Schäden selbst bezahlen.

„Besonders teuer wird es für die Betroffenen, wenn das Wasser in die Wärmedämmung oder sogar in den Innenraum eindringt“, sagt Christine Gilles von der R+V Versicherung. Sie rät deshalb, die Regenrinnen mindestens einmal im Jahr von Unrat zu befreien.
  

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