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Home Sonderthemen Sonstiges Wenn der nächste Angehörige nicht mehr da ist
14:34 17.04.2020
Trauer um Angehörige kann ganz verschiedene Formen annehmen. Schön sind Gespräche im Kreis der Familie und die Botschaft: „Du bist nicht allein.“ Foto: stock.adobe.com

Tod und Sterben – ein Thema, von dem man eigentlich nichts hören möchte. Vor allem Feier- und Ehrentage sind für viele Menschen in einer Trauersituation belastend. Psychologen wissen um den emotionalen und psychischen Stress, den Trauernde dann durchleben müssen.

Das Kuratorium Deutsche Bestattungskultur weist darauf hin, dass die ersten Feste oder Familienfeiern ohne einen geliebten Menschen besonders berührend und einprägsam sind: „Es ist wichtig, sich der eigenen Trauer und den Tränen zu stellen, diese nicht wegzudrücken und zu meinen, eine scheinbare Idylle aufbauen zu müssen“, sagt Oliver Wirthmann vom Kuratorium Deutsche Bestattungskultur. Er rät dazu, trauernde Angehörige herzlich zur Feier einzuladen. Wenn aber der Witwer oder die Witwe diese Stunden lieber alleine verbringen möchte, sollten sie nicht zu einer Feier im großen Kreis genötigt werden. Trauer um Angehörige kann ganz verschiedene Formen annehmen, sowohl Austausch und Gespräch im Kreis der Familie wie auch Stunden der persönlichen Besinnung und des In-sich-Gehens mit einer Kerze und einem Bild des Toten sind heilsam.

Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Dimap brachte aufschlussreiche Zahlen zu Tage, wie die Deutschen über Tod und Trauer denken. Zwar waren 94 Prozent aller Deutschen bereits einmal auf einer Beerdigung und haben 76 Prozent aller Befragten bereits einmal einen Verstorbenen gesehen, dennoch gestehen die Bundesbürger ein, im engsten Kreis der Familie nur selten über den Tod zu sprechen. So äußern 35 Prozent, dafür hätte es bisher keinen Anlass gegeben.

Das religiöse Spektrum der Anschauungen über ein mögliches Leben nach dem Tod hat sich in den letzten Jahren weiter ausdifferenziert. 30 Prozent aller Deutschen meinen, dass nach dem Tod nichts folge, 36 Prozent glauben an ein Weiterleben der Seele und an die Auferstehung, fünf Prozent an eine Wiedergeburt, vier Prozent an die Verwandlung der Materie in Energie. Viele sind unentschlossen und unsicher.

Stephan Neuser, Generalsekretär des Bundesverbands Deutscher Bestatter, weiß aus persönlicher wie beruflicher Erfahrung, wie wichtig es ist, über das Thema zu sprechen. Bemerkenswert findet er an den Umfrageergebnissen, dass mehr Menschen über den Tod mit dem Bestatter als mit einem Pfarrer reden und ergänzt: „Wichtig ist es beim Thema Tod, nicht in eine Schweigespirale zu kommen, sondern im Kreis der Familie, mit dem Partner und vielleicht auch mit einem Bestatter als kompetentem Ansprechpartner im Gespräch zu bleiben.“

Immer öfter gestalten Bestatter Gedenkfeiern für alle Menschen, die in einem Jahr von ihnen bestattet wurden. Dabei machen sie die Erfahrung, dass solche Momente des Innehaltens einige Wochen oder Monate nach der Beerdigung für die Familien wichtig und trostspendend sein können und positiv angenommen werden. Auch die Gemeinschaft anderer Trauernder kann zeigen: „Du bist nicht alleine mit deinem Schmerz!“


Internetseiten, Ratgeber und Lehrbücher verbreiten, dass „die“ Trauer in bestimmten Phasen verläuft und durchlitten werden müsste, damit der Übergang in die nächste Phase möglich wird. „Die Praxis zeigt jedoch, dass sich Trauer nicht in ein festes Schema pressen lässt“, kritisiert Diplom-Psychologin Hildegard Willmann vom Beirat des Trauerportals www.gute-trauer.de.

Die Lehre von den Trauerphasen kann Trauernden sogar schaden, weil sie zu rigiden Normen über „richtiges“ Trauern führt. Wer nicht der Norm entspricht, zweifelt möglicherweise, ob sein Erleben normal ist. „Besonders Menschen, die gut mit einem Verlust umgehen können – das sind ungefähr 50 Prozent – werden durch Phasenmodelle pathologisiert“, erklärt Willmann.

Die These, dass nacheinander die Phasen Nichtglauben-können, Sehnsucht, Ärger, Depression und Akzeptanz auftreten, konnte wissenschaftlich auch noch nicht belegt werden. djd

INFO: Weitere Hintergründe, passende Literaturtipps und mehr im Internet auf www.gute-trauer.de

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