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Home Sonderthemen Mecklenburg Umweltfreundlich und intelligent
14:51 12.11.2020
Der Erfinder und Tüftler Jens Düwel aus Ludwigslust präsentiert die „AMBIENA heat wall“. Auf dem Wärmebild ist deutlich zu erkennen, wie unterschiedlich insgesamt vier in einer Wand versteckte Paneele Wärme abstrahlen. Über das Smartphone lässt sich für jedes einzelne Paneel die gewünschte Temperatur regeln. Fotos: Anette Pröber (2)

Rostock. Im Nordosten Deutschlands wird schon jetzt mehr Energie durch Wind- und Sonnenkraft produziert als die Menschen hierzulande benötigen. Zu oft stehen die riesigen „Spargel“ bei Wind einfach still. Den Rostocker Unternehmer Jörg Sinnig brachte das auf die Idee: Warum nicht die Windkraft von nebenan nutzen oder die Sonnenenergie vom Dach, um 100 Prozent grün erzeugten Strom ohne Transformationsverluste in Wärmeenergie umzuwandeln?

Im kuschelig warmen Showroom in seinem Büro in Pastow stellt Jörg Sinnig sein jüngstes „Kind“ vor: das neuartige und intelligente Heizsystem „AMBIENA heat wall“. Gemeinsam mit anderen Rostocker Unternehmern gründete er das Start-up „Smart Grey technologies“, das Ende Oktober 2020 in Pastow vor den Toren der Hansestadt seinen Sitz bezogen hat.

Die ökologische Wandheizung ist nahezu unsichtbar, verschwindet hinter Tapeten oder Wandgestaltung und schafft individuelle Lösungen für das gewünschte Raumklima. Sie erzeugt aus idealerweise grünem Strom „intelligente Wärme“ im Raum dort, wo sie gerade gebraucht wird.


Das Heizsystem besteht aus Heizpaneelen, die einzeln oder auch in Gruppen via Handy gesteuert werden können. Sie sind einfach zu montieren und ihre Oberflächen können problemlos bemalt, tapeziert und sogar gefliest werden. Selbst Nägel in den Heizpaneelen stören nicht deren Funktionsweise.

„Unsere Heizung genügt höchsten Ansprüchen. Zudem ist sie ein nachhaltiges Naturprodukt. Von der Herstellung über die Installation bis hin zur Nutzung und rückstandsfreien Entsorgung“, kommt Jörg Sinnig ins Schwärmen.

Ein Geheimnis dieser grünen Technologie ist eine Emulsion aus einem Graphit-Gemisch, die eine hohe Wärmeleitfähigkeit besitzt. Der Erfinder und Tüftler Jens Düwel aus Ludwigslust kreierte die inzwischen patentierte Substanz und erkannte die Chance, diese für ein neuartiges Heizsystem zu verwenden. Eine hauchdünne und elastische Heizschicht wird auf Dämmplatten aufgetragen, besser gesagt: aufgedruckt. Mit Unterstützung der Rostocker Unternehmer Andreas Müller, Torsten Gebert und Jörg Sinnig wurde aus der Idee ein patentiertes marktreifes Produkt.

Unternehmer Jörg Sinnig, Mitinhaber des Startups „Smart Grey technologies“
Unternehmer Jörg Sinnig, Mitinhaber des Startups „Smart Grey technologies“

Die Gründer aus Mecklenburg-Vorpommern sehen für das neue Heizsystem einen großen Absatzmarkt. „Grünes Wohnen und Smart-Home-Technologien sind zu einem echten Trendthema avanciert, Klimaschutz und nachhaltiges, ökologisches Bauen ein zentrales Entscheidungskriterium“, meint Jörg Sinnig, der als Gründer des Software-Unternehmens SIV AG schon einmal viel Gespür für den Markt bewiesen hat. „AMBIENA“ gehöre die Zukunft, punkte mit überschaubaren Investitionen und Betriebskosten und sei wartungsfrei. Das Heizsystem sei sowohl für den Einsatz in modernen Niedrigenergiehäusern als auch in sanierungsbedürftigen und denkmalgeschützten Altbauten eine ideale Lösung. Auch in Garten- oder Ferienhäusern lohne sich die elektrische Heizung für kalte Tage.

Die Produktion der innovativen Heizpaneele erfolgt derzeit mit einer Handvoll Mitarbeiter in Ludwigslust südlich von Schwerin. Mit der Herstellung von monatlich 8000 Paneelen in der Größe von 2,20 Meter mal 0,60 Meter ist das Unternehmen an den Start gegangen. Bei steigender Nachfrage sei man schnell in der Lage, auch industriemäßig zu produzieren, erklärt Jörg Sinnig.

Von Anette Pröber

Info www.smartgrey-technologies.de


Heute schon an morgen denken

Am 1. November trat das Gebäudeenergiegesetz (GEG) in Kraft. Es enthält alle energetischen Anforderungen, die an Neubauten und bei der Modernisierung von Bestandsgebäuden gestellt werden. Für Bauherren ändert sich nur wenig – das kann zum Problem werden, kritisiert der Bauherren-Schutzbund e.V. (BSB).

Eine Verschärfung der energetischen Standards ist für private Bauherren zunächst nicht vorgesehen. Wer saniert oder neu baut, muss ähnliche Werte wie in der zuvor gültigen EnEV erfüllen. Problem: Mit dem Gesetz erhalten Verbraucher weder eine langfristige Planungssicherheit beim Hausbau, noch werden so die europäischen Klimaschutzziele erreicht werden können. „Das GEG ist unambitioniert und wirft viele Fragen für die Zukunftsplanung von Bauherren auf“, kritisiert BSB-Geschäftsführer Florian Becker. Der unveränderte Niedrigstenergiestandard werde nicht lange Bestand haben können. Bereits in drei Jahren will ihn die Bundesregierung erneut auf den Prüfstand stellen. „Berücksichtigt man die hohen Einsparziele im Gebäudebereich bis 2030 und 2050, muss man bereits heute von einer erheblichen Steigerung der energetischen Anforderungen ab 2023 ausgehen“, so Becker. Ein heute gebautes Haus kann dann unter Umständen in Hinblick auf gesetzliche Vorgaben energietechnisch veraltet sein, was mit einem Wertverlust einhergeht. „Wer zukunftssicher bauen will, kann schon heute die aktuellen Förderungen nutzen und prüfen, ob für ihn ein höherer energetischer Standard, z.B. 55 statt 70, möglich ist“, rät Becker.

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