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Home Sonderthemen Grimmen Rundum gut betreut in einem Pflegeheim
12:44 24.03.2020
Ergotherapeutin Christine Jakobs mit Bewohnern des DRK-Pflegeheims in Rostock-Evershagen beim Puzzeln. Fotos (2): Werner Geske

Sabine (51) und Horst Wegner (53, Name von der Redaktion geändert) aus Rostock war klar, dass es so nicht weiterging: „Wegen ihrer zunehmenden Demenz war es nicht mehr möglich, unsere Mutter allein in der Wohnung zu lassen. Da wir beide berufstätig sind, konnten wir sie nämlich nicht rund um die Uhr betreuen.“

Die Eheleute machten sich auf die Suche, um für Gerda Wegner (83) einen Heimplatz zu finden. Erster Anlaufpunkt war der Pflegestützpunkt in der Rostocker Südstadt. Hier suchten sie Rat bei Astrid Klinzing (61). Wer Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung ist und Antrag auf Pflege stellt, hat Anspruch auf diese kostenlose Beratung. „Es ist gut, dass Sie zu mir gekommen sind“, lobt die Pflegeberaterin die Wegners. Schließlich sei es ja wichtig, für Angehörige oder sich selbst, das richtige Pflegeheim zu finden. Voraussetzung dafür, dort einen Platz zu bekommen, sei mindestens der Pflegegrad 2, unterstreicht Astrid Klinzing.
 

Lage des Heims und Arztpraxisnähe sind wichtig

Zu den Kriterien, die bei der Wahl eine Rolle spielen sollten, zählt sie die Lage des Heimes sowie die Entfernung von dort zu Arztpraxen und Einkaufsmöglichkeiten. Ganz wichtig ist in ihren Augen der Eindruck, der beim ersten Besuch des Heimes gewonnen wird. „Auf jeden Fall sollten sich die Suchenden einen Termin bei der Pflegedienstleitung der jeweiligen Einrichtung geben lassen“; empfiehlt sie. Im Ergebnis des Gesprächs mit der Pflegeberaterin und weiterer Recherchen entschieden sich die Wegners dafür, ihre Mutter dem DRK-Pflegeheim in der Aleksis-Kivi-Straße in Rostock-Evershagen anzuvertrauen. „Es war eine gute Wahl“, sagen die Wegners heute, nachdem ihre Mutter bereits gut acht Monate im Heim lebt. Und auch die alte Dame beteuert: „Mir geht es hier gut. Schön ist, dass ich nicht so allein bin. Jeden Tag ist hier was los. Mal gibt es einen Vortrag, mal singen wir zusammen oder sehen uns Videos an.


Besonders beliebt ist bei ihr und den über 160 Heimbewohnern das Ergotherapie-Angebot. Kein Wunder, wenn es dabei so lustig und locker zugeht wie bei Therapeut Mathias Dobberkau (60). Der fordert die Seniorinnen und Senioren beim Gedächtnistraining. So bei einem Würfelspiel, bei dem sich hinter jeder Zahl eine Sache verbirgt. „Die 5! Jetzt geht es darum, möglichst viele Beispiele zum Begriff Hose zu finden!“, fordert Dobberkau seine Zuhörer auf. Gleich darauf fliegen ihm die Worte nur so zu: Hosenträger, Windhose, Jeans, Gummihose. Die alten Herrschaften sind stolz darauf, um kein Wort verlegen zu sein.

Eine Etage höher hat Christine Jakobs (54) einen Kreis von Puzzlefreunden um sich versammelt. Auch wenn es nicht auf Anhieb klappt, die Teile zu einem Bild zusammenzusetzen, lobt die Therapeutin das Bemühen. Auch Gerda Wegners Augen leuchten, als ihr bescheinigt wird: „Das machen Sie ja ganz toll!“ „Anerkennung“, meint Christine Jakobs, „ist auch im Alter das A und O.“


"Auf jeden Fall sollten sich die Suchenden einen Termin bei der Pflegedienstleitung der Einrichtung geben lassen."

Astrid Klinzing, Pflegeberaterin


Sabine und Horst Wegner freuen sich darüber, dass sich ihre Mutter so gut im DRK-Pflegeheim eingelebt hat. Thomas Strobach, Leiter stationäre Einrichtungen der DRK Rostock Wohnen und Pflege gGmbH, weist aber darauf hin, dass auch Gerda Wegner nicht sofort aufgenommen werden konnte: „Wir haben eine Warteliste. In der Regel können monatlich maximal vier Plätze neu belegt werden.“

Der Chef des Heimes stellt seine Einrichtung kurz vor: „Unsere sehr gut ausgestattete Einrichtung hat Platz für 168 Bewohnerinnen und Bewohner, die in Ein- und Zweibettzimmern leben. Es gibt besondere Wohnbereiche für Pflegebedürftige mit Demenz. Hervorheben möchte ich, dass wir in unserer Fachpflegeeinrichtung, der einzigen dieser Art in Rostock und Umgebung, auch Menschen im Wachkoma betreuen. Unsere Heimbewohner werden von mehr als 100 Pflege- und Betreuungskräften umsorgt.

Unser Anspruch ist eine stets hohe Pflegequalität, was durch regelmäßige sehr gute Prüfergebnisse belegt ist. Seit vergangenem Jahr haben wir die Anzahl der Ausbildungsplätze entscheidend erhöht.“ Auch er betont, dass es sinnvoll ist, sich bei der Suche nach einem Pflegeheimplatz kompetenter Unterstützung zu versichern: „Neben den Pflegestützpunkten und der Verbraucherzentrale sind die Ratgeber der Krankenkassen, wie der AOK-Pflegenavigator im Internet, zu empfehlen.“ Wer sich dort informiere, erfahre unter anderem, welchen Eigenanteil der Pflegebedürftige entsprechend seines Pflegegrades pro Monat zu tragen habe, sagt Strobach.

Der Eigenanteil in MV

In Mecklenburg-Vorpommern lag der durchschnittliche Eigenanteil per 1. Juli 2019 bei 1428 Euro. Der aber wächst wegen steigender Personal- und Investitionskosten ständig weiter an und beträgt im Bundesdurchschnitt bereits fast 2000 Euro. „Zum Eigenanteil zählen die Kosten für Unterkunft und Verpflegung, der einrichtungseinheitliche Eigenanteil (EEE) für die Pflege, die Investitionskosten, etwa für Instandhaltung oder Modernisierung der Pflegeeinrichtung, und Zusatzleistungen wie Reparaturen privater Gegenstände. All das müssen die Pflegebedürftigen selbst tragen, unabhängig davon, ob diese letztlich selbst zahlen oder ihre Angehörigen, beziehungsweise, ob das Sozialamt dafür aufkommt“, erklärt Markus Juhls, Pressesprecher der Krankenkasse AOK-Nordost. Dabei kann es beim zu zahlenden Eigenanteil von Heim zu Heim durchaus Unterschiede von einigen hundert Euro geben.

Das Bundesgesundheitsministerium hat noch für das 1. Halbjahr 2020 Vorschläge zur künftigen Finanzierung der stationären Pflege und in diesem Zusammenhang eine Kostendeckelung der Eigenanteile für Pflegebedürftige angekündigt. Da der eventuell höhere oder niedrigere zu zahlenden Anteil jedoch wenig über die Betreuungsqualität aussagt, raten die Fachleute dazu, sich auch aus diesem Grund auf jeden Fall viel Zeit zu nehmen, um eine geeignete Pflegeeinrichtung zu finden. Werner Geske


Im Alter ist Hilfe durch die Familie wichtig. Kann diese das nicht mehr leisten, müssen Profis hinzugezogen werden. Foto: absolut - Fotolia
Im Alter ist Hilfe durch die Familie wichtig. Kann diese das nicht mehr leisten, müssen Profis hinzugezogen werden. Foto: absolut - Fotolia

Als Pflegebedürftiger oder pflegender Angehöriger stehen Ihnen zahlreiche Zuschüsse zu. Doch im Pflege-Dschungel ist es schwer, sich zurecht zu finden. Wird ein Familienmitglied pflegebedürftig, stellt dies die Betroffenen vor eine große Herausforderung. Ein schwerwiegendes Problem ist häufig die Finanzierung. Viele wissen nicht, welche Zuschüsse und Förderungen ihnen zustehen. Dabei gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die Pflege zu finanzieren. Wussten Sie zum Beispiel, dass Sie für einen Treppenlift bis zu 4000 Euro Zuschuss bei der Pflegekasse beantragen können? Diesen erhalten Sie mit einem Pflegegrad im Rahmen der wohnumfeldverbessernden Maßnahmen – und zwar jährlich. Hierzu zählt auch der Umbau einer Badewanne zur barrierefreien Dusche. Wussten Sie außerdem, dass Sie für die Finanzierung einer 24-Stunden-Pflege Ihr Pflegegeld nutzen können? Und dass Ihnen für die häusliche Pflege gratis Pflegehilfsmittel bis an die Haustür geliefert werden können? Zusätzlich erhalten Sie ein kostenloses Hausnotrufsystem. Weitere Infos zur Organisation und Finanzierung von Pflegesituationen erhalten Sie zum Beispiel bei Beratungsstellen der Caritas, bei der Deutschen Alzheimer Gesellschaft oder Ihrem regionalen Pflegestützpunkt. mso

INFO: Kostenfreie Beratung unter Telefon 06131 / 4648624 (Verband Pflegehilfe).


Die Pflege im eigenen Zuhause – dieses Betreuungskonzept wünschen sich die meisten Betroffenen im Fall einer bestehenden oder drohenden Pflegebedürftigkeit. Foto: Production/stock.adobe.com/Deutsche Leibrenten AG/akz-o
Die Pflege im eigenen Zuhause – dieses Betreuungskonzept wünschen sich die meisten Betroffenen im Fall einer bestehenden oder drohenden Pflegebedürftigkeit. Foto: Production/stock.adobe.com/Deutsche Leibrenten AG/akz-o

Viele Senioren wissen: Mit den Jahren nehmen die gesundheitlichen Probleme zu. Häufig werden Dinge, die früher selbstverständlich waren, mit zunehmendem Alter beschwerlich. Hierzu gehören ganz alltägliche Dinge, wie das Treppensteigen, die Gartenarbeit oder die Reinigung der Wohnung. Die Routine kann ohne die nette Hilfe von Nachbarn oder erwachsenen Kindern kaum noch bewältigt werden. Wird dann ein Familienmitglied plötzlich krank und pflegebedürftig, geht es gar nicht mehr ohne fremde Hilfe.

Ambulante Pflege in den eigenen vier Wänden

Die Pflege im eigenen Zuhause – dieses Betreuungskonzept wünschen sich die meisten Betroffenen im Fall einer bestehenden oder drohenden Pflegebedürftigkeit. Doch Angehörige, wie Kinder oder Enkel, können selten die notwendige Zeit und Energie aufbringen, um eine angemessene Versorgung des Pflegebedürftigen zu gewährleisten. Spätestens jetzt sollte ein professioneller Pflegedienst in Anspruch genommen werden.

Ambulante Pflegedienste kommen bei Bedarf mehrmals in der Woche ins Haus. Das Spektrum des Angebots ist dabei umfangreich und reicht von einer zeitlich begrenzten Unterstützung bis hin zu einer 24-Stunden-Rundum-Betreuung. Viele Best Ager haben sogar schon vorausschauend geplant und halten für den Fall einer 24-Stunden-Pflege zusätzliches Geld und ein Zimmer frei. „Senioren sollten, gerade wenn sie im eigenen Heim bleiben möchten, rechtzeitig Kassensturz machen und professionell planen“, empfiehlt Prof. Dr. Heinrich Schradin von der Universität Köln. akz-o

Zusätzliche Pflege kostet Geld. Wer trotz Pflegebedürftigkeit in seinem eigenen Zuhause wohnen bleiben möchte, der könnte zum Beispiel über eine sogenannte Immobilien-Rente nachdenken. Wie das Modell funktioniert, erklärt Friedrich Thiele, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Leibrenten AG: „Der Eigentümer verkauft sein Haus oder seine Wohnung und erhält im Gegenzug eine monatliche Zusatzrente sowie ein lebenslanges Wohnrecht. Wahlweise kann die monatliche Zahlung auch mit einem Einmalbetrag kombiniert oder ganz durch ihn ersetzt werden. Beides, Leibrentenzahlung und Wohnrecht, sind dabei an erster Stelle im Grundbuch verankert, um den Senioren größtmögliche Sicherheit zu bieten.“ Mit dem zusätzlichen Einkommen kann beispielsweise eine Pflegekraft bezahlt werden, die rund um die Uhr tätig ist. Tritt der Pflegefall nicht ein, umso besser: Dann ist die Zusatzrente eine willkommene Finanzspritze.

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