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Home Sonderthemen Bauen, Wohnen & Immobilien Nach Umwegen wieder angekommen
13:41 12.11.2018
Wohlgefühlt hat er sich immer da, wo er mit Menschen in Kontakt bleiben konnte, das war ihm wichtig in jeder Phase seines Lebens. Nie wollte er gefangen sein in den eigenen vier Wänden. Im Wohnpark der MEDIGREIF Gruppe in Greifswald findet Horst Schulz alles, was er sich zum Leben im Alter wünscht. FOTO: ILWiA
ILWiA e.V. André Huysmann
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Greifswald. Lächelnd fährt Horst Schulz mir mit seinem kleinen wendigen roten Elektroscouter entgegen. Es ist ein sonniger Herbsttag, als ich den sympathischen 86 -Jährigen ehemaligen Polizisten der Kassernierten Volkspolizei und langjährigen Arbeiter des Betonwerkes aus Greifswald kennenlerne. Wir kommen ins Gespräch und ich will von ihm wissen, was er als derzeitiger Rehabilitationspatient der MEDIGREIF Parkklinik von seiner Zeit nach seinem Aufenthalt hier erwartet. Er erzählt, dass er unbedingt in seine auf seine Bedürfnisse angepasste Wohnung in der Makarenkostraße in Greifswald zurück möchte, dahin,wo er sich seit dem ersten Tag seines Einzuges vor fünf Jahren wohlfühlt. In seine eigene Wohnung, die ihm trotz seiner inzwischen deutlichen körperlichen Einschränkungen immer noch ein selbst bestimmtes Wohnen möglich macht. Dort hat er, einen herzlichen Kontakt zu den Nachbarn und den Hausbetreuern und vor allem wohnt seine Tochter in seiner unmittelbaren Nähe, im gleichen Haus, nur ein paar wenige Türen weiter. 

WVG Greifswald

Wohlgefühlt hat er sich immer da, wo er mit Menschen in Kontakt bleiben konnte, das war ihm wichtig in jeder Phase seines Lebens. Nie wollte er gefangen sein in den eigenen vier Wänden. Fast wäre es vor fünf Jahren aber so geendet. Damals starb seine geliebte Frau nach schwerer Krankheit und auch um seine Gesundheit war es nicht zum Besten bestellt. Erst ein Schlaganfall und dann folgte auch noch ein Herzinfarkt. Eine Rückkehr in seine damalige Wohnung nach Schönwalde I, in der er mit seiner Frau bald 40 Jahre glücklich lebte, war nicht mehr denkbar. Die Folgen des Schlaganfalls führten dazu, dass er keine Treppen mehr steigen konnte, die Beine machten einfach nicht mehr mit. Er wäre gefangen gewesen in den eigenen vier Wänden, isoliert von allem was ihm bis dahin wichtig war. Einen Aufzug gab es nicht, in der Wohnung wurden selbst die Schwellen zwischen den einzelnen Zimmern zu unüberwindbaren Hindernissen. Und auch im Bad war ohne fremde Hilfe nix zu machen, dort war es eng, in die Wanne kam er nicht mehr und eine Dusche gab es nicht. Selbst der Gang zur Toilette forderte maximale Kraftanstrengungen. Da die Toilette sehr niedrig angebracht und Haltegriffe nicht vorhanden waren, gelang ihm das Aufstehen nicht mehr allein. Herr Schulz ist heute noch seinem Enkel dankbar, dass dieser ihm vom Wohnpark der MEDIGREIF Gruppe in Greifswald erzählte. Dort gab es genau seine Wohnung, mit demselben Grundriss, nur eben auf seine Bedürfnisse angepasst, mit breiten Schiebetüren, keinen Schwellen, einem Aufzug und für den Notfall ein Notrufsystem. Mit seinem Elektroscouter kann er seither bis in die Wohnung fahren. Unvorstellbar, wenn er an seine alte Wohnung zurückdenkt. Heute lebt er im 5. Stock und kann an schönen Tagen auf dem Balkon sitzend über die Dächer der Stadt in die Ferne schauen und den weiten Blick genießen.

Als ich ihn frage, was er heute anders machen würde, antwortet er: „Ich würde es schlauer machen, so wie meine Tochter Ilona und ihr Mann. Die beiden haben sich rechtzeitig ihre Wohnung fürs Alter gesucht und nicht erst, als es im Grunde so wie bei mir schon 5 nach zwölf war. Wenn den beiden die Knie irgendwann mal versagen sollten, oder die Pumpe nicht mehr so mitmacht, dann müssen sie nicht erst nach der geeigneten Wohnung suchen, denn dann wohnen sie schon lägst in der Wohnung, mit der sie ohne Sorgen alt werden können.“  K.E.


Um selbstbestimmt auch im Alter oder bei körperlichen Einschränkungen leben zu können, benötigt es die Hilfe einer Vielzahl von professionellen Helfern. Dazu zählt neben den bekannten Unterstützern, wie Pflegediensten und Sanitätsfachhändlern ebenso der öffentliche Nahverkehr und auch der Anbieter von Wohnraum. Sie alle sollten möglichst abgestimmt aufeinander agieren und auf die besonderen Bedingungen und Anforderungen, die ein älterer oder gesundheitlich eingeschränkter Mensch hat, eingehen. Technische Lösungen können hier Brücken bauen und helfen, vermeintlich Unüberwindbares wieder zu bewältigen. Dazu muss jedoch die Angst vor Unbekanntem genommen und ein solides Netzwerk von Helfern geknüpft werden.

Der Netzwerkverbund „Initiative Leben und Wohnen im Alter e.V.“ knüpft Kontakte zwischen professionellen Helfern, hilft Ängste im Umgang mit Technik zu über wendigen und individuelle Lösungen für ein selbstbestimmtes Leben zu finden. Im Verein arbeiten Leistungserbringer aus unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen, der Wissenschaft und der Kommunalpolitik in vielfältigen Projekten eng zusammen. Aufgrund der enormen Vielfalt der Mitglieder des Verbundes können viele, insbesondere ältere Menschen, erreicht und Bedürfnisse abgedeckt werden. Ziel ist es, die zahlreichen Facetten, die das Leben und Wohnen im Alter mit sich bringt, mit einer Organisation abdecken zu können. So werden vor allem dem Betroffenen und dessen Angehörigen, nach seinen Wünschen gezielt die richtigen Lösungen vorgeschlagen und gegebenenfalls angepasst.

Mit den verschiedenen Lebensphasen des Menschen ändert sich sein Anspruch an das individuelle Lebensumfeld, das geprägt wird von neuen Situationen und hinzukommenden Problemstellungen im Alltag. Unabhängig von den Lebensbereichen kann durch die enge Zusammenarbeit der Netzwerkpartner eine Vielzahl solcher Problemfelder abgedeckt werden. Um diese Unterstützung aufrecht zu erhalten und stets auf dem aktuellen Stand zu sein, bietet der ILWIA e.V. seinen Mitgliedern und der interessierten Bevölkerung, aber auch Unternehmen, eine Vielzahl an neutralen Anlaufpunkten. Mit innovativen Pilotprojekten, wie der Musterwohnung in Makarenkostraße 38 in Greifswald, wird jedem Interessierten die Möglichkeit gegeben, sich über den aktuellen Stand der technischen Hilfsmittel zu informieren, und die Systeme bei Führungen selbst zu erleben. Seit 2014 nehmen rund 1000 Besucher pro Jahr diese Möglichkeit wahr. Allerdings werden diese Angebote aufgrund mangelnder flächendeckender Informationen immer noch viel zu spät oder gar nicht genutzt. Um diese Situation zu verbessern, entschloss sich der Verbund zwei Wohncontainer mit technischen Helfern auszustatten, um noch mehr Menschen zu erreichen und auf deren Bedürfnisse zuzugehen.

Es soll dabei nicht nur gezeigt werden, was bereits alles möglich ist, es soll auch sensibilisiert werden, um mögliche Ängste vor der Technik oder den Funktionen zu nehmen. So können sich vor allem Betroffene und ihre Angehörigen rechtzeitig informieren und präventiv agieren, bevor eine gesundheitliche Einschränkung zu einem solchen Problem wird, dass einen Verbleib in der eigenen Wohnung nicht mehr möglich ist.

Der ILWIA e.V. hat sich die Aufgabe gestellt, künftige Innovationen in Zusammenarbeit mit neuen und alten Partnern zu gestalten und zu testen und den Menschen in MV nahe zu bringen. Der Verein bietet schon heute eine geschützte Plattform für die gemeinsame Entwicklung und Vermarktung innovativer Ideen und Produkte und gibt seinen Mitgliedern Hilfestellung für eine Ressourcen schonende Entwicklungsarbeit. ILWiA sorgt für eine einfache Kommunikation unter den Teilhabenden und kann so die Erfahrungen aus verschiedenen Bereichen des Marktes nutzen. Nur durch diese Kombination gelingt es ein anpassbares Umfeld für den Betroffenen zu bieten und auf all seine Wünsche gezielt einzugehen. Mit all seinen Projekten und Aktionsfeldern reagiert der ILWiA Verbund auf den immer stärker werdenden Wunsch, so lange wie möglich in der eigenen Wohnung zu leben. Durch Innovationen können Menschen in allen Lebensphasen in ihrem gewohnten Umfeld leben und müssen sich so nicht im Alter an neuen Umstände anpassen. Dadurch bleibt die soziale Interaktion, der Kontakt zur Familie und Nachbarn erhalten und Lebensqualität kann bis ins hohe Alter gesichert werden. André Huysmann, Jenny Kempka.

Kontaktdaten

ILWiA e.V.
André Huysmann
Telefon: 03834 550 115
Email: huysmann@ilwia.de
www.ilwia.de

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