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Home Sonderthemen Grimmen Moderne Zeiten: Welche Berufe haben Zukunft?
15:48 10.06.2019
Je weiter die vernetzte Produktion heute fortschreitet, desto stärker wird die Nachfrage nach Mitarbeitern mit Kenntnissen in IT, Automatisierungstechnik und Robotik sein. FOTO: KARRIERE TUTOR GMBH

Die Zukunft der Arbeit wird durch vernetzte Systeme geprägt sein: Maschinen organisieren sich in der Fabrik der Zukunft weitgehend selbst, Lieferketten stellen sich automatisch zusammen, Aufträge werden direkt in Fertigungsinformationen umgewandelt. „Wenn wir von Arbeit 4.0 sprechen und uns dem Thema Digitalisierung widmen, lauert hinter der nächsten Ecke meist auch das Schreckgespenst Zukunftsangst“, heißt es auf der Website von „karriere tutor“. Ein Team aus renommierten Dozenten und Tutoren, Karriereberatern und Experten für berufliche Weiterbildung berät und begleitet hier Menschen ganzheitlich auf ihrem Weg. Die Experten bestätigen, dass der Mensch trotz aller Automatisierungen keineswegs arbeitslos wird, denn er wird auch in Zukunft gebraucht – wenn auch anders als bisher gewohnt.

Mitarbeiter mit mehreren Abschlüssen im Einsatz

Je weiter die vernetzte Produktion heute fortschreitet, desto stärker wird die Nachfrage nach Mitarbeitern mit Kenntnissen in IT, Automatisierungstechnik und Robotik sein. „Künftig werden immer mehr qualifizierte und hoch qualifizierte Arbeitnehmer/innen wie Akademiker im Allgemeinen gebraucht und Ingenieure und High Tech-Spezialisten im Speziellen: Berater, Logistiker, Planer, Projekteure, IT-Spezialisten, Mechatroniker, Programmierer und hoch flexible High-Tech-Servicemitarbeiter“, bemerkt der Unternehmer und Personalexperte Werner Neumüller. Er sagt voraus (auch wenn die meisten Zukunftsjobs heute noch nicht bekannt sind), dass Wirtschaftsingenieure bis hin zu Diplomierten mit mehreren Abschlüssen in unterschiedlichen Disziplinen zunehmen werden, „wenngleich die Passfähigkeit des (Aus-) Bildungssystems auf die Anforderungen der modernen Lebens- und Arbeitswelt auch hier optimiert werden muss.“

Auch „karriere tutor“ bestätigt, dass künftig folgende technische Berufe gebraucht werden: IT-Projektleiter und -Sicherheitsexperten, SAP-Berater und -Entwickler, Mobile Entwickler, Data Artists, Ingenieure für Energietechnik, Vertriebsingenieure, Mechatroniker und Lebensmitteltechniker. Aber auch klassische Berufe wie Ärzte, Pflegekräfte und -Manager, Lehrer, Erzieher und Sozialarbeiter werden weiterhin gefragt sein. Allein der Gesundheitsbereich ist ein großer Zukunftsmarkt, der nur bedingt von Maschinen übernommen werden kann. Aber auch kreative Berufe, in denen technische und kreative Anteile kombiniert werden, sind vielversprechend.
 

„Neu entstandene Berufsbilder der vergangenen Jahre geben einen ersten Vorgeschmack, wohin die Reise der kreativen Berufe künftig gehen könnte“, heißt es bei „karriere tutor“. Berufe mit Zukunft sind hier unter anderem: Social Media Manager, Online-Marketing-Manager, Grafikdesigner, Texter und Kommunikationsdesigner. Die Auswahl kann allerdings nur eine Momentaufnahme sein, da Berufe ständig neu entstehen und sich permanent wandeln. Deshalb ist es wichtig, umzudenken und „vom Status der einmaligen Ausbildung abzurücken – hin zum lebenslangen Lernen, hin zu mehr Mut, zu ungeraden Lebensläufen, zu Brüchen und zu Quereinstiegen“, sagt Lars Kroll, der bei „karriere tutor“ das Marketing leitet.

Berufe mit Zukunft bauen hier auf drei Säulen: Es zählt nicht mehr nur das reine fachliche Wissen (die Kompetenz im eigenen Themengebiet), sondern auch die Methodenkompetenz. Arbeit 4.0 erfordert ebenso Kenntnisse in neuen Technologien und die Fähigkeit, interdisziplinär zusammenzuarbeiten. Und sie erfordert Flexibilität und ein gutes Selbstmanagement. Die eigenen Ressourcen kennen, stärken und den eigenen Beruf der Zukunft danach ausrichten ist ein mehrgliedriger Prozess, den es künftig zu durchlaufen gilt.

Interdisziplinär denken und lebenslang lernbereit

Der Personalexperte Werner Neumüller betont ebenfalls, dass es wichtig sein wird, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf Sachebene Prozesse richtig beherrschen (z.B. IT, EDV), interdiziplinär denken können und (lebenslang) lernbereit bleiben. Auf emotionaler Ebene sind u.a. Empathie, Kommunikation, Teamorientierung, Flexibilität und Zielstrebigkeit von Bedeutung. Aber auch die richtigen Rahmenbedingungen sind nicht zu unterschätzen: Mit einem glaubwürdigen Nachhaltigkeits- bzw. CSR-Management und seiner Kommunikation haben Unternehmen heute die Möglichkeit, attraktiv für neue Talente zu werben, die nur kommen, wenn sie sich mit der Firma identifizieren können. „Wer klare Werte und Leitprinzipen hat, die ernsthaft gelebt werden, kann Konfliktpotenzial reduzieren und Orientierung bieten.“

Angesichts des Fach- und Führungskräftemangels müssen Arbeitgeber stärker um qualifizierte Arbeitnehmer werben. Auch bei „karriere tutor“ ist das Thema fest verankert und wird von Sabine Nixtatis, die auch zertifizierte CSR-Managerin (IHK) ist, über die Bereiche Marketing- und Kommunikation vermittelt. Es ist seit Jahren ein Trend zu beobachten, der zu einer werteorientierten Arbeitswelt geht, denn die Menschen verlangen zusehends nach sinnvoller Arbeit, die zugleich auch einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag darstellt.


GRAFIK: OBS/NEWS AKTUELL GMBH/ SEBASTIAN KÖNNICKE
GRAFIK: OBS/NEWS AKTUELL GMBH/ SEBASTIAN KÖNNICKE

Die Alleinstellungsmerkmale des Unternehmens nicht kennen, die Bedürfnisse der bestehenden und zukünftigen Mitarbeiter ignorieren oder das eigene Image nicht zur Chefsache machen – das sind nur einige Fehler, die Unternehmen beim Employer Branding (Arbeitgeber-Markenbildung) machen können.

Um Bewerber für sich zu gewinnen, reicht es nicht mehr aus, den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens zu präsentieren. Zukünftige Mitarbeiter interessieren sich dafür, was ihnen abseits von Umsatzzahlen geboten wird. Dazu gehört auch eine positive Reputation als Arbeitgeber, da sich Arbeitnehmer auf verschiedenen Plattformen über ein Unternehmen informieren. Unternehmen sollten außerdem Netzwerkpflege nicht vernachlässigen, denn frühzeitiges Kontaktieren potenzieller Bewerber erleichtert zukünftiges Recruiting. Auch Arbeitgeber-Rankings auf Jobportalen zu beobachten ist ein Muss, denn so können Unternehmen erkennen, ob sich ihre Außenwirkung verändert.

Nicht zuletzt ist die Zufriedenheit der Mitarbeiter eines der wesentlichen Ziele bei der Entwicklung einer starken Arbeitgebermarke. Denn gefällt ihnen ihr Job, können sie als Botschafter des Unternehmens fungieren und die Sympathie für ihren Arbeitsplatz nach außen tragen. Die Kanäle dafür sind unterschiedlich: im Freundes- und Familienkreis, auf Social Media oder in Business-Netzwerken.

So fährt man das Employer Branding sicher gegen die Wand:

1. Employer Branding macht die Praktikantin: Chefs haben Wichtigeres zu tun.
2. Was wir potenziellen Mitarbeitern bieten? Äh... Wissen wir selbst nicht. Hat noch nie jemand Gedanken darüber gemacht.
3. Wir sind als Arbeitgeber austauschbar. Na und?! Eine Arbeitgeber-Marke mit starkem Profil wird vollkommen überschätzt.
4. Viel versprechen, wenig halten: Wenn die neuen Mitarbeiter erst einmal da sind, müssen wir unsere Versprechen auch nicht mehr halten.
5. Schlechte Reputation ist uns egal: Wer wegen unseres schlechten Rufs nicht zu uns kommt, passt ohnehin nicht zu uns.
6. Spitzenplätze in Arbeitgeber-Rankings sind nur was für Streber: Wir brauchen keine zusätzlichen Argumente für Bewerber, dass wir toll sind.
7. Mitarbeiterzufriedenheit ist ein netter Luxus: Wer sich um zufriedene Mitarbeiter kümmert, lenkt nur von unserem Leistungsanspruch ab.
8. Netzwerkpflege ist nur was für Personaler, die keinen Friseur zum Quatschen haben. Kontakte zu Bewerbern frühzeitig knüpfen? Viel zu aufwendig!
9. Der beste Weg sind gedruckte Stellenanzeigen. Digitalkanäle sind neumodischer Quatsch!
10. Ist das Employer-Branding-Budget ausgegeben, ist es weg. Die Stärke der Arbeitgeber-Marke messen wir erst gar nicht. Das führt nur zu unnötig hohen Erwartungen der Chefs.


Junge Berufseinsteiger bringen neue Themen an den Arbeitsmarkt. So zählt für die Generation Z der ab ca. 1997 Geborenen bei der Jobsuche vor allem die soziale Einstellung ihres zukünftigen Arbeitgebers. Dies ist ein Ergebnis der aktuellen Randstad-Employer-Brand-Studie, die jährliche Trends am Arbeitsmarkt ermittelt. Danach würden sich 24% der 18- bis 24-Jährigen bei der Bewerbung für ein Unternehmen entscheiden, das Verantwortung für Gesellschaft und Umwelt übernimmt. Die klassischen Auswahlkriterien wie finanzielle Stabilität, Flexibilität und Arbeitsplatzsicherheit spielen bei der Generation Z eine deutlich geringere Rolle als bei früheren Berufseinsteiger-Generationen. Bei letzterem Wert liegt sie zehn Prozent unter dem demografischen Mittel von 58%.

Dabei ist die Generation Z aber deutlich karriereorientiert. Wenn es um die Möglichkeiten zur Karriereentwicklung geht, ist sie mit 39% Spitzenreiter unter allen befragten Altersgruppen. „Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit, technologische Nachhaltigkeit, all dies sind aktuelle Themen, deren gesellschaftliche Relevanz sich auch auf dem Arbeitsmarkt widerspiegelt und Unternehmen beim Recruiting vor neue Herausforderungen stellt“, so Petra Timm, Pressesprecherin bei Randstad.

Arbeitgeberhaltung ist gefragt

Wie die Untersuchung ebenfalls zeigt, haben sich die Prioritäten bei der Arbeitgeberwahl im Vergleich zu den vergangenen Untersuchungen deutlich verschoben. So war die Haltung von Unternehmen zu ökologischen und sozialpolitischen Themen im Jahr 2013 nur für 8% aller Befragten ein entscheidendes Kriterium bei der Arbeitgeberbeurteilung. Sechs Jahre später halten das immerhin 17% der Befragten für wichtig – mehr als eine Verdoppelung des Zustimmungswertes. Diese nachhaltige Verschiebung wird von den Befragten aus der Generation Z maßgeblich getragen. Deutlich wird dies durch die vergleichbar hohe Bedeutung, die die neue Arbeitnehmergeneration CSR-Themen wie Diversität und Inklusion beimessen (23%).

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