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22:46 28.03.2019
Im Klinikum Karlsburg wurden im vergangenen Jahr ca. 250 Herzklappen per Katheter implantiert. Das Herzzentrum Karlsburg gehört zu den erfahrensten Zentren in Deutschland, die hochbetagten und multimorbiden Patienten bei der häufig auftretenden Aortenklappenstenose mit den TAVI-Prozeduren eine Behandlungsmöglichkeit bieten. Foto:Anette Pröber

- Im Klinikum Karlsburg werden jährlich 10.000 Herz- und Diabetespatienten behandelt,
- 2500 Herz- und Gefäß-Operationen und 5000 kardiologische Eingriffe durchgeführt.
- Zur Therapie von Patienten mit akutem Koronarsyndrom steht rund um die Uhr ein erfahrenes Team bereit.
- Verengungen und Verschlüsse von Herzkranzgefäßen werden mit Stents versorgt.
- Spezialisten für Herzrhythmusstörungen bieten im Elektrotherapielabor modernste Diagnostik und Therapieverfahren an (z.B. Ablationsbehandlung bei Vorhofflimmern).
- Viele Herzklappenfehler werden bei älteren Patienten mit Kathetertechniken als Alternative zur offenen Operation behandelt (TAVI, Mitraclip).
- Karlsburg ist als Behandlungszentrum für Typ 1- und Typ 2-Diabetes zertifiziert und spezialisiert auf Kinder und Jugendliche.
- Klinikum Karlsburg - das ist Spitzenmedizin in Vorpommern, unweit der Universitätsstadt Greifswald und der Bäderinsel Usedom.

Klinikum Karlsburg
Greifswalder Straße 11, 17495
Karlsburg
Telefon: 038355-70-0
www.klinikum-karlsburg.de


Oberarzt Dr. med. Jörg Reindel vom Klinikum Karlsburg. FOTOS (3): Anette Pröber
Oberarzt Dr. med. Jörg Reindel vom Klinikum Karlsburg. FOTOS (3): Anette Pröber

Vor wenigen Wochen nahm im Klinikum Karlsburg eine moderne Dialysestation den Betrieb auf. Ein Neubau, der mit knapp einer Million Euro vom Wirtschaftsministerium des Landes gefördert wurde. Über neue Therapiemöglichkeiten und zeitgemäße Bedingungen für Patienten und Mitarbeiter sprachen wir mit Dr. med. Jörg Reindel, Oberarzt an der Klinik für Diabetes, Stoffwechsel- und Nierenerkrankungen am Klinikum Karlsburg.

In Karlsburg wurde 1969 die erste Dialyse an einem Diabetespatienten außerhalb den USA durchgeführt. Das war eine Pionierleistung. Damals verstarben viele Patienten mit Typ 1-Diabetes an Nierenversagen. Das ist heute zum Glück anders.

Nur ein geringer Teil der Typ-1-Diabetiker ist heute auf eine Dialyse angewiesen. Die Behandlung mit Insulin und die kontinuierliche Stoffwechseleinstellung, die immer besser ausbalanciert werden kann, haben Fortschritte gebracht. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft schätzt aber, dass 20 bis 40 Prozent aller Diabetespatienten (95 Prozent Typ-2-Diabetiker) im Laufe ihres Lebens eine Nierenschädigung – Nephropathie – entwickeln, die aber nicht immer zur Dialysepflicht führt.

Die neue Dialysestation, räumlich großzügiger und mit mehr Tageslicht ausgestattet, bietet nicht nur eine verbesserte Behandlungsqualität. Es wurde auch gezielt die Zahl der Dialyse-Therapieplätze erhöht. Warum?

Die Dialyse ist eine Nierenersatztherapie, die notwendig wird, wenn die Nieren als Entgiftungsorgan des Menschen nur noch eingeschränkt funktionieren. In Deutschland gibt es derzeit über zwei Millionen chronisch nierenkranker Menschen und davon ca. 80.000 Dialysepatienten. Die Zahl der Dialysepflichtigen wächst jährlich um fünf Prozent. Das macht sich auch im Klinikum Karlsburg bemerkbar. Die Blutwäsche wird bei den stationär behandelten Herzpatienten, die zugleich an einer schweren Nierenerkrankung leiden, immer stärker notwendig. In den Jahren von 2004 bis heute hat sich die Zahl der Hämodialysen in Karlsburg mehr als verdoppelt. Vor 25 Jahren reichten zwei Therapieplätze aus, jetzt nach der Erweiterung besitzen wir acht Plätze für die Hämodialyse und einen für die Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse).

Daniela Paesler ist seit 1978 im Klinikum Karlsburg tätig, seit 1994 als Dialyseschwester.
Daniela Paesler ist seit 1978 im Klinikum Karlsburg tätig, seit 1994 als Dialyseschwester.

Das Klinikum Karlsburg hat sich auf Herz- und Diabetespatienten spezialisiert. Wie erklärt sich die Zunahme von Patienten mit gleichzeitiger Nierenerkrankung?

Wir erleben im Klinikum Karlsburg zunehmend multimorbide ältere Patienten, die sowohl an einer Herzerkrankung, an Diabetes als auch an einer Nierenkrankheit leiden.

Die Entstehung von Nierenerkrankungen kann durch eine Reihe von Einflüssen begünstigt werden. Zu den Risikofaktoren gehören hoher Blutdruck, Rauchen und eine unzureichende Diabetes- Einstellung. Bei Menschen mit Diabetes kann die Nierenerkrankung eine direkte Folge der Stoffwechselstörung sein, man spricht von einer diabetischen Nephropathie. Dabei kommt es aufgrund des langfristig hohen Blutzuckerspiegels zu Veränderungen in den kleinen Gefäßsystemen der Nierenkörperchen. Die Erkrankung ist schleichend. Der hohe Blutzucker und der erhöhte Blutdruck schädigen ursächlich auch die Herzkranzgefäße.

Für kritisch herzkranke Patienten wurde auf der Dialysestation ein differenziertes Herzkreislauf-Monitoring eingerichtet. Was wird damit erreicht?

Das Monitoring gewährleistet eine kontinuierliche Überwachung der Risikopatienten bei höchstmöglichem Komfort für Patienten und Personal. Während einer Blutwäschebehandlung treten häufig Blutdruckabfälle auf, meist sehr plötzlich und ohne Vorzeichen. Es kommt zu Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Schweißneigung und Herzrasen, sogar Bewusstlosigkeit kann eintreten. Der wiederholt auftretende Abfall des Blutdrucks kann bei Risikopatienten gesundheitliche Schäden und auch einen Herzinfarkt bewirken. Das Überwachungssystem löst bei kritischen Herz-Kreislauf-Zuständen oder Herzrhythmusstörungen frühzeitig Alarm aus.

Eine der häufigsten in Karlsburg gestellten Diagnosen ist chronische Herzschwäche. 30 bis 40 Prozent dieser Patienten weisen zusätzlich eine Niereninsuffizienz auf. Ist ein Nierenersatzverfahren bei schwerer chronischer Herzschwäche noch möglich?

Eine Hämodialyse, die in der Regel dreimal wöchentlich erfolgt, ist bei schwer herzinsuffizienten Patienten oftmals nicht mehr durchführbar. Zwischen den Dialyseterminen steigt der Wasserhaushalt beim Patienten stark an und die Flüssigkeit muss entzogen werden. Das bedeutet großen Stress für den Körper und das kranke Herz. Deshalb empfiehlt sich statt der Hämodialyse die tägliche und schonendere Bauchfelldialyse, die nachhaltig Wasseransammlungen entfernt.

Bitte erklären Sie beide Verfahren.

Die Hämodialyse ist ein Verfahren, bei dem das Blut außerhalb des menschlichen Körpers gereinigt wird. Über einen zentralen Gefäßzugang (Shunt) am Arm wird dem Patienten das Blut entnommen und zur Verhinderung der Blutgerinnung mit Heparin versetzt. Das Blut gelangt mit Hilfe von Blutpumpen in den Dialysator, wo Giftstoffe durch ein Membransystem entzogen werden. Von dort fließt das gereinigte Blut wieder zurück in den Körper. In der Regel dauert die Blutwäsche vier bis fünf Stunden.

Bei der Bauchfelldialyse werden ein bis zwei Liter Spülflüssigkeit per Katheter in die Bauchhöhle geleitet, wo das Bauchfell als Dialysemembran wirkt. Die Substanzen, die ausgeschieden werden sollen, wandern vom Blut mittels Diffusion durch das Bauchfell in die Dialyselösung. Nach einigen Stunden wird die Flüssigkeit mit den Nierengiften wieder abgeleitet, der Körper ist entgiftet. Der Patient kann die Bauchfelldialyse zu Hause oder am Urlaubsort selbst durchführen. In regelmäßigen Abständen ist eine Kontrolle beim Nephrologen nötig.

Wie kann man Nierenerkrankungen vorbeugen?

Als Prävention von Herz-, Diabetes- und Nierenerkrankungen ist eine gesunde Lebensweise zu empfehlen. Das Rauchen sollte auf jeden Fall eingestellt werden, weil es die Gefäße schädigt. Bei Dialysepatienten gelten besondere Ernährungshinweise, die der Arzt sehr individuell festlegt. Anette Pröber

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