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Home Sonderthemen Mecklenburg Martin Scheitor – mit der Sonne im Tank unterwegs
12:27 12.11.2020
Klein und unscheinbar, aber unverzichtbar für umweltbewusste Fahrer von Elektromobilen: Ladestationen. Martin Scheitor hat sechs von ihnen in seinem Unterstand für die Dienstfahrzeuge installiert. Fotos: Elke Rüster (2)

Grimmen. „Wenn man dann weiß, dass man mit der Sonne im Tank fährt – das ist ein richtig gutes Gefühl“, gesteht Martin Scheitor, Inhaber der M+S Gruppe GmbH Grimmen und passionierter Verfechter der Nutzung alternativer Energien. Seine erste Begegnung mit der Energie der Sonne machte der heute 42-Jährige im Jahr 2005, als er seine Oma zum Besuch eines alten Schulfreundes aus Ostpreußen nach Bayern fuhr. Dort sah er erstmals Solaranlagen und begann, sich für sie zu interessieren.

Gespartes Autogeld in Photovoltaikanlage investiert

Es dauerte nicht lange, dann überredete er seinen Vater, Geld vom Sparkonto fürs Auto in eine Photovoltaik- Anlage fürs eigene Heim zu investieren. „Das war richtig nachhaltig“, schmunzelt er aus heutiger Sicht, „das alte Auto fuhr weiterhin und die Photovoltaik-Anlage produzierte Strom.“ Zur damaligen Zeit gab es hierzulande keine Installateure für derartige Anlagen, so dass der Großhändler dem Grimmener empfahl, sie selbst anzubauen. Zum Glück war sein Bruder bereits Elektromeister, so dass sie die Anlage gemeinsam aufbauten. „Das war schon ein schönes Gefühl, zu sehen, dass wirklich Strom vom eigenen Dach fließen kann. Wir haben damals mehrmals täglich auf den Zähler geschaut und uns gefreut, dass die Sonne scheint“, erinnert er sich.

Für den geringen Überschuss an eingespeistem und nicht selbst verbrauchtem Strom verzichten die Nutzer in der Regel auf ihre kleine Einspeisevergütung. „Durch ein Stecker-Solar-Gerät habe ich als Verbraucher die Möglichkeit, eigenen Strom aus erneuerbaren Energien zu gewinnen. Das ist ein tolles Erlebnis und leistet einen Beitrag zur Energiewende und zum Klimaschutz“, erläutert Arian Freytag, Experte der Energieberatung der Verbraucherzentrale.


Um es etwas anschaulicher zu machen: 3000 Haushalte können mit dieser Menge jährlich mit Strom versorgt werden. Inzwischen gilt M+S Photovoltaik in Mecklenburg-Vorpommern als ältestes Unternehmen der Branche. „Wir haben sehr darauf geachtet, dass wir regional bleiben und nicht zu große Projekte angehen. Deshalb sind wir vorwiegend im Bereich von Einfamilienhäusern tätig“, so Martin Scheitor.


„Wenn man dann weiß, dass man mit der Sonne im Tank fährt – das ist ein richtig gutes Gefühl.„

Martin Scheitor
Inhaber der M+S Gruppe GmbH Grimmen


In den Jahren von 2010 bis 2015 war die Nachfrage nach Photovoltaik eher gering. Mittlerweile ist sie allerdings sehr hoch, weil sich die Menschen laut Martin Scheitor Unabhängigkeit wünschen und diese mit Photovoltaik zum Teil realisiert werden kann. Heutzutage werden dreiviertel der Anlagen mit Batteriespeicher verbaut. Da es kaum noch staatliche Förderung gibt, lohne es sich absolut, den Strom selbst zu verbrauchen. Mit einem Batteriespeicher kann man dies nachts tun. Ein Haltbarkeitsproblem gibt es bei den Modulen nicht, weil sie mittlerweile weit über 50 Jahre halten; sozusagen ein Leben lang.

127 000 Kilometer mit dem E-Auto gefahren


Für die eigenen vier Wände kann Martin Scheitor jedem nur eine Photovoltaikanlage empfehlen. „Schön, dass man damit auch sein E-Auto laden kann. Einfach an eine ganz normale Steckdose anschließen“, so der Verfechter des grünen Stroms.

Seit 2012 fährt er selbst einen kleinen E-Smart. 127 000 Kilometer hat er damit bisher zurückgelegt und die Umwelt geschont. In Grimmen betreibt er übrigens eine öffentliche Ladestation und acht weitere für Firmenfahrzeuge.

Von Elke Rüster


„Deutschland kann autark sein“

Grimmen. Geschäftsmann Martin Scheitor (42) hat aus einer Studie erfahren, dass in Deutschland genug Flächen zur Verfügung stehen, um den Strom für das Land ausschließlich mittels Photovoltaik herzustellen. Dafür würden nur 2,5 Prozent der Gesamtfläche benötigt. „Wir bräuchten keine Wind- oder Biogasanlagen, keine Kernkraftwerke und auch keine Kohlekraftwerke mehr“, so der Grimmener. Er mache niemandem einen Vorwurf, der vor Jahren Kernkraftwerke gebaut hat. Die Technologien waren noch nicht so weit. Heute sagt er: „Deutschland kann autark sein – und jeder kann selbst etwas dafür tun!“ Dabei denkt er an Photovoltaik, vernünftige Hausdämmung, E-Autos und wenig Fleischverzehr.

Dass Kohlendioxid bepreist wird und damit derjenige zur Kasse gebeten wird, der der Umwelt Schaden zufügt, findet er gut. Außerdem denkt er, dass man auch weniger fliegen und reisen sollte, ohne es verbieten zu wollen. „Wir kennen Mallorca und Australien, aber Loitz um die Ecke nicht“, so seine Meinung dazu. E. R.

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