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Home Sonderthemen Grimmen Kerosin im Blut: „Ich wollte zurück zu meinen Flugzeugen“
15:47 10.06.2019
Leitungspositionen für Frauen sind für Dörthe Hausmann vollkommen normal. FOTO: FRANK BURGER
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Ich habe meine Jobs immer geliebt“, sagt Dörthe Hausmann. Die Leiterin des Flughafens Rostock-Laage ist überzeugt davon, dass Liebe zum Beruf eine Grundvoraussetzung für Erfolg ist. Ob sie denn als Frau besonders gut sein musste, um in Führungspositionen zu kommen? Die 50-Jährige überlegt kurz, zuckt mit den Schultern: „Die Frage hat sich für mich nie gestellt. Ich bin im Osten aufgewachsen. Alle Frauen haben gearbeitet. Da war es auch nicht ungewöhnlich, wenn Frauen technische Berufe ausgeübt haben.“ Doch auf den Start ins Berufsleben der gebürtigen Karl-Marx-Städterin geschaut, beginnt scheinbar alles ziemlich klischeehaft. Fachverkäuferin hat sie gelernt – allerdings mit Abitur. Mit der Wende fiel dieses Berufsbild weg und die junge Frau arbeitete erst einmal in einer Handweberei Gobelins.

Recht und Gerechtigkeit zwei verschiedene Seiten

Doch die Neugier trieb sie weg vom Webstuhl nach Berlin. An der Freien Universität studierte sie Jura. „Ich wollte wissen, wie das neue System funktioniert.“ Sie bekam Antworten und die Erkenntnis, dass Recht und Gerechtigkeit zwei verschiedene Seiten einer Medaille eines Systems sein können. Also Neuorientierung. Dörthe Hausmann begann noch einmal eine Berufsausbildung, wurde Reiseverkehrskauffrau und arbeitete in einem Reisebüro. Hier begannen sich wohl die Wurzeln der heutigen Flughafen-Chefin auszustrecken. Wurden hier die Sehnsucht, die Welt zu sehen, und die Liebe zur Fliegerei geweckt? Es scheint fast logisch, dass sie sich daraufhin bei British Airways bewarb und im Telefonverkauf arbeitete – dreieinhalb Jahre. In dieser Zeit wurde sie jüngste Teamleiterin, hat perfekt Englisch gelernt, sammelte internationale Erfahrungen und konnte von bester Förderung profitieren. „Ich bin viel geflogen. Ich habe mir die Welt angeschaut“, sagt sie rückblickend.

Die Lust auf Neues wurde nicht gestillt, eher noch angefeuert. Für Cathay Pacific Airways, eine Fluggesellschaft mit Sitz in Hongkong, war sie für die Kontakte in die neuen Bundesländer verantwortlich. Es war die Zeit, in der sich das Lebensrad der Dörthe Hausmann auf mehreren Ebenen drehte. Nebenbei studierte sie Betriebswirtschaft. Hochschwanger verteidigte sie ihr Diplom. Im Jahr 2000 wurde ihr Sohn geboren. Den Vater und Ehemann hatte sie während des Jura-Studiums kennengelernt. „Ich habe damals kein Mütterjahr genommen. Sonst hätte ich meinen Job verloren“, so Dörthe Hausmann. Ob sie gehadert habe mit der Situation? Männer haben dieses Problem nicht wirklich. Die Sächsin, deren Dialekt man kaum heraushört, zuckt wieder mit den Schultern. „Nein, kein Problem. Ich nehme es so, wie es kommt.“ Nach drei Monaten stieg sie wieder ins Berufsleben ein. Erst für 30 Stunden und nach einem Dreivierteljahr komplett. Doch die junge Mutter musste sich nicht allein durchkämpfen. Obwohl ihr Mann aus Baden-Württemberg kommt, unterstützt er seine Frau, hält nicht an dem einstigen westdeutschen Rollenverständnis fest. Und: Die junge Airline-Managerin holt sich eine Tagesmutter an ihre Seite, die ihrem Sohn gut tut. „Er ruht heute total in sich“, berichtet Dörthe Hausmann. Kein schlechtes Gewissen also? „Mein damaliges Umfeld hat versucht, mir eins einzureden“, gibt sie zu.


Eigentlich brauchen wir keine Quote. Wer seine Arbeit liebt, kann sie bestens ausführen. Egal ob Mann oder Frau.

Dörthe Hausmann, Leiterin des Flughafens Laage


Nach elf Jahren Cathay Pacific Airways lockte eine neue Aufgabe. Eine, der kein Happy End beschieden war. 2008 fing sie bei den Berliner Flughäfen an und war verantwortlich für die internationale Akquise. Sie verkaufte Berlin als Ziel für die Airlines weltweit. Jetzt änderte sich die Art der Zusammenarbeit zwischen männlichen und weiblichen Mitarbeiterinnen. Zwar ließen die beiden einzigen Frauen im Männerteam keine Zweifel an ihrer Fachkompetenz, dennoch kam es vor, dass ihr ein männlicher Kollege dreimal einen Sachverhalt erklärte. Ihre Reaktion: „Vielen Dank, ich habe es schon beim ersten Mal verstanden.“ Dörthe Hausmann ist eine Frau, die sich über so etwas nicht erregt, sie lächelt solche Situationen weg. „Bei den Briten gab es das Thema Mann/Frau-Gleichberechtigung nicht. Die Hierarchien waren flach, die Teams gemischt und international besetzt“, erklärt sie. Deutschland hatte sich verändert, die Gleichberechtigung der Frau schien zuweilen nicht mehr selbstverständlich.

Dörthe Hausmann schwamm gegen den Strom. Als die Eröffnung des BER zum zweiten Mal verschoben wurde, kündigte sie im Juni 2012. Sie konnte diese Art der Unternehmenskultur nicht vor ihren asiatischen Kunden verantworten. Was nun?

Die große Stunde der modernen Familie der Dörthe Hausmann schlug jetzt. Die Airlines-Managerin wurde Geschäftsführerin der Usedom Tourismus GmbH. „Ich hätte in Berlin keine Führungsposition bekommen. Im Zweifel würde der Job an den Mann gehen“, gibt sie zu. Dörthe Hausmann ist Realistin. Sie baute nach eigenen Plänen ein Haus auf Usedom. Ihr Mann übernahm die Betreuung des Sohnes in ihrem gemeinsamen Zuhause in Schöneiche bei Berlin. Doch Usedom war nur eine Zwischenstation. Sicher, der Flugplatz in Heringsdorf war mit zu betreuen, doch wer nach eigenen Angaben „Kerosin im Blut“ hat, dem fehlt etwas.

Über Geschlechterthemen hatte sie sich nie Gedanken gemacht

„Ich wollte zurück zu meinen Flugzeugen“, sagt sie. Sie konnte zurück. Seit Januar 2017 ist sie Chefin in Laage. In der letzten Bewerberrunde setzte sie sich gegen eine Frau und zwei Männer durch. Die Quotenfreunde hätten Beifall geklatscht. „Eigentlich brauchen wir keine Quote. Wer seine Arbeit liebt, kann sie bestens ausführen. Egal ob Mann oder Frau“, sagt Dörthe Hausmann und schränkt dann selbst ein: „Vielleicht kann eine Quote aber helfen, dass Frauen in einer westdeutschen Gesellschaft ins Sichtfeld kommen, wenn es um Führungspositionen geht.“ Sie habe sich über Geschlechterthemen nie Gedanken gemacht.

Dennoch: Dörthe Hausmanns Weg ist ungewöhnlich. Das drückt sich auch in der derzeitigen privaten Situation aus. Sie hat eine Dienstwohnung in Rostock, ein Haus auf Usedom und mit ihrem Mann und Sohn ein Haus in Schöneiche. „Für uns ist das okay“, sagt sie und lächelt wieder so, als ob es das Normalste der Welt sei.

Man muss an sich glauben, eine gute Ausbildung haben und selbstbewusst sein

Von Hongkong nach Laage also. Es ist so ruhig hier. Jetzt lacht Dörthe Hausmann ausgelassen. „Erst einmal fliegt die Lufthansa seit kurzem zehnmal die Woche nach München und dann ist es hier eher noch ruhig. Und ich bin wirklich viel unterwegs. Für mich ist es hier in Laage sowieso nicht ruhig“, entgegnet sie glaubhaft. Ihr Aufgaben-Spektrum sei breit gefächert. Planen und entwickeln – das ist das, was sie gern macht und was sie kann. „Man muss an sich glauben, eine gute Ausbildung haben und selbstbewusst sein. Auch als junges Mädchen ist alles möglich“, so die Flughafen-Chefin und ehemalige Fachverkäuferin. Also so wie ein Mann sein? „Jeder mit seinen Stärken. Die Männer mit ihren und wir Frauen mit unseren. Ich bin eine Frau“, schließt Dörthe Hausmann das Thema. Frank Burger


 

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