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Home Sonderthemen Mecklenburg Für die bessere Integration grüner Energie im Stromnetz
13:41 13.11.2020
Das Herzstück des mobilen Stromspeichersystem sind zwölf Batterien, die zusammen rund 1000 kWh speichern können. Foto: E.DIS

Friedland. Das Versorgungsunternehmen E.DIS beteiligt sich an dem europäischen Forschungsprojekt IElectrix zur verbesserten Integration von Grünstrom. IElectrix ist Teil des größten Forschungs- und Innovationsprogramms der EU, Horizon 2020. Die technische Leitung des dreieinhalb Jahre laufenden Projekts hat E.ON übernommen.

Unter der Projektbezeichnung „moew.e“ (mobile energy with E.DIS) wird der regionale Energiedienstleister in Friedland, Mecklenburg-Vorpommern, smarte Schnittstellen, ein Netzanschlusskonzept für mobile Speicher sowie ein mobiles Stromspeichersystem testen. Aus dem Projekt werden bis zum Jahr 2022 Testergebnisse über die Möglichkeiten einer intensiven Nutzung regenerativ erzeugten Stroms in unmittelbarer Umgebung der Erzeugungsstätte erwartet. Damit verbunden ist die Erwartung der Netzexperten, dass mit dieser Technologie die temporäre Lücke zwischen den geplanten Netzausbaumaßnahmen und der Umsetzung der Maßnahmen überbrückt werden kann. Am 24. September nahm E.DIS-Vorstandsvorsitzender Dr. Alexander Montebaur in Friedland die Anlage feierlich in Betrieb.

Im östlichen Mecklenburg sind in den vergangenen Jahren große Erzeugungskapazitäten zur Nutzung der Wind- und Sonnenenergie entstanden. Mit Blick auf die derzeitigen Netzkapazitäten wird E.DIS damit vor große Herausforderungen gestellt. Verursacht durch die volatile und hohe Einspeiselast aus Anlagen der regenerativen Energieerzeugung, bewegt sich das Stromnetz der Testregion zunehmend an der Überlastungsgrenze.

Ein stetig komplexer werdender Planungs- und Genehmigungsprozess macht den Netzausbau äußerst zeitintensiv. Dezentrale Energiespeichersysteme sollen dieses Zeitfenster interimsweise überbrücken helfen. Bei einem positiven Testergebnis könnten erneuerbare Energien schneller und mit einer signifikant höheren Effizienz an das Netz angeschlossen werden.

Der innovative Lösungsansatz, den E.DIS im europäischen Verbund in Friedland umsetzen wird, verfolgt das Ziel, eine stetig größer werdende Strommenge in der Region, in der sie produziert wird, auch zu nutzen. Ein weiterer Aspekt des Tests ist die Verbesserung der Versorgungssicherheit. Die E.DIS-Experten testen die Wirkung der Batterie bezogen auf mögliche Übertragungsengpässe an dem 110-kV-Transformator im Umspannwerk Friedland. Dazu wird die selbstständige Kommunikation zwischen Batteriesystem und Transformator im Umspannwerk genutzt. Ein Algorithmus sendet beim Erreichen des Übertragungsgrenzwertes des Transformators ein Signal zur Energiespeicherung an das Speichersystem. Gelingt der Nachweis, dass Batteriespeicher sich selbstständig ins Engpassmanagement in Verteilnetzen einbinden lassen, könnten derartige geregelte Speichersysteme zukünftig einen Beitrag zur Reduzierung von Abregelungsmaßnahmen an Grünstromanlagen leisten.

Des Weiteren werden die Erkenntnisse dafür genutzt, um die Erhöhung der Wirksamkeit durch den Anschluss weiterer dezentraler Speicher im Verteilnetz nachzuweisen. Das mit den Erkenntnissen angepasste Netzmodell wird die Planungsingenieure in die Lage versetzen, den Einsatz weiterer Speicher auf die Abregelungsmaßnahmen zu bewerten, idealerweise eine spürbare Reduzierung nachzuweisen, und Rückschlüsse für zukünftige Maßnahmen zu ziehen.

Umgekehrt, wenn die EEG-Einspeisung wieder sinkt, beginnt unmittelbar die Stromabgabe aus der Batterie. Die Transformatorstation mit Batteriespeicher, bestehend aus einem Mittel-/Niederspannungstransformator, einem 1000-kWh-Lithium-IonenBatteriespeicher und Steuertechnik, könnte mit der am Tag gespeicherten Solarenergie in der Nacht ca. 200 Haushalte versorgen. Die Ausstattung des Systems stellt eine netz- und engpassorientierte Betriebsweise dar. Parallel fördert es die lokale Nutzung erneuerbarer Energien in unmittelbarem Produktionsumfeld.

Die Techniker der E.DIS wollen mit dem umfangreichen Test in Friedland auch den Nachweis erbringen, dass mit mobilen Speichersystemen die Flexibilität im Verteilnetz gewonnen werden kann, die für den Planungs- und Realisierungsprozess von Netzausbaumaßnahmen notwendig ist.
    

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