Menü
Anmelden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland

Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern

Home Sonderthemen Grimmen Entspannt stehen und sitzen
22:58 28.03.2019
Prof. Dr. med. habil. Wolfram Mittelmeier, Direktor der Orthopädischen Klinik und Poliklinik der Unimedizin Rostock, zeigt, dass es bei Steharbeitstischen auf die richtige Höhe ankommt und durch eine Fußauflage ein Hohlkreuz vermieden wird. Foto: RoBa

von Rolf Barkhorn 

Rostock. Rückenschmerzen gelten landläufig als typische Bürokrankheit. Büroausstatter und Möbelhersteller bieten inzwischen Lösungen an, die Risiken mindern sollen. Die Palette reicht von einfachen Stehpulten bis zu höhenverstellbaren Arbeitstischen. Doch welchen Nutzen haben ergonomische Arbeitstische und Steharbeitstische wirklich? OZ befragte dazu den Direktor der Orthopädischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Rostock, Professor Dr. med. habil. Wolfram Mittelmeier.

„Grundsätzlich ist es wichtig, dass man bei längeren Büroarbeiten die Position wechseln kann. Denn unsere Wirbelsäule ist für die Bewegung gemacht und nicht für das statische Sitzen“, so der Professor. Dauerhaft einseitige oder extreme Positionen seien unbedingt zu vermeiden. Und man dürfe dann auch nicht nur über das Stehpult oder den Arbeitstisch allein reden, sondern sollte die gesamte Situation am Arbeitsplatz, die aus mehreren Komponenten besteht, in Betracht ziehen. Weiter erklärt der Klinikchef:

„Ein guter Bürotisch allein reicht nicht aus. Zur Gesamtsituation gehört vor allem auch der richtige Stuhl. Und beides zusammen sollte die optimale Sitzposition ergeben.“ Es müsse möglich sein, auch mal eine entspannte Position einzunehmen,zum Beispiel beim Telefonieren oder einer kleinen Pause sich entspannt zurückzulehnen. Wichtig sei auch die Position des Bildschirms am Arbeitsplatz: „Wenn Sie den Bildschirm nicht zentral vor sich stellen können, dann sollten Sie die Sitzposition drehen können. Auch der Abstand zum Bildschirm ist wichtig. Es ist falsch, sich mit dem Oberkörper an den Bildschirm anzupassen. Sie müssen als Mensch der Umgebung diktieren, wie Sie sitzen wollen und nicht umgekehrt.“ Die Position von Tastatur und Maus sei ebenfalls wichtig. „Funkgesteuerte Komponenten bieten einem die Flexibilität, die man am Arbeitsplatz braucht“, sagt Professor Dr. Mittelmeier.


"Wenn Sie den Bildschirm aus Platzgründen nicht zentral vor sich stellen können, dann sollten Sie die Sitzposition drehen können."

Prof. Dr. med. habil.Wolfram Mittelmeier, Direktor der Orthopädischen Klinik und Poliklinik der Unimedizin Rostock


Aber auch ein Stehpult kann sehr sinnvoll sein. „Denken Sie an die Zeit, als die Bibel und andere Schriften in den Klöstern geschrieben wurden. Da stand man an Stehpulten. Auch die Schreibbüros und Amtsstuben waren früher mit Stehpulten versehen.“ Wer jedoch an einem Stehpult arbeite, sollte bedenken, dass auch das Stehen entspannt sein müsse. „Die Höhe des Tisches muss an Sie angepasst werden und nicht Sie an das Tischpult! Gut ist es, wenn das Pult höhenverstellbar ist. Zu beachten ist auch, dass beim langen Stehen mit durchgedrücktem Rücken und durchgedrückten Knien ein Hohlkreuz entsteht, das wiederum Rückenschmerzen verursachen oder verstärken kann. Deshalb rate ich, einen kleinen Hocker vor sich unter den Tisch zu stellen, auf dem man ab und zu ein Bein anstellen kann. Das bringt die nötige Entspannung.“

Abschließend rät der Klinikchef, die Bürokomponenten am besten bei einem Fachhändler zu kaufen, wo man die ideale Kombination für sich selbst testen kann.


(djd). Rückenschmerzen zählen in Deutschland unverändert zu den Volkskrankheiten Nummer eins. Einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge geht jeder fünfte gesetzlich Versicherte deshalb mindestens einmal pro Jahr zum Arzt. Insgesamt liegt die Zahl der Arztbesuche wegen Rückenbeschwerden bei jährlich mehr als 38 Millionen. Die Probleme mit dem Kreuz werden laut eines Gesundheitsreports der Techniker Krankenkasse (TK) heute vor allem durch Bewegungsmangel hervorgerufen, aber auch das einseitige Belasten am Arbeitsplatz und Übergewicht sind wichtige Risikofaktoren für die Rückengesundheit. Sport und Bewegung, so die Gesundheitsexperten der Krankenkasse, seien deshalb ideal, um Rückenbeschwerden vorzubeugen.

Mit geradem Rücken in die Knie gehen

Wer einen Kasten Bier transportieren will, sollte beim Anheben mit geradem Rücken in die Knie gehen und die Last beim Transport dicht am Körper halten. Immerhin wiegt ein voller Bierkasten etwa 18 Kilogramm. Häufig sind die Gründe für Rückenschmerzen ganz banal und können leicht vermieden werden – beispielsweise durch die richtige Haltung beim Heben.

Besonders wichtig zur Vorbeugung eines Hexenschusses oder eines Bandscheibenvorfalls ist es, hektische und ruckartige Drehbewegungen zu unterlassen. Vor allem aber sollte man keine kombinierten Bück-Dreh-Bewegungen mitschweren Lasten vornehmen – dies kann fatale Folgen haben.

Bei bestehenden Beschwerden nicht übermäßig schonen

Bei bereits bestehenden Beschwerden sollte man sich im Übrigen nicht übermäßig schonen, sondern die Rückenmuskulatur moderat aktivieren. Nur so kann die Entstehung eines Teufelskreises von mangelnder Bewegung, Rückenschmerzen und noch weniger Bewegung durchbrochen werden. Schließlich sind über 90 Prozent aller Rückenschmerzen nach Angaben der Aktion Gesunder Rücken (AGR) unkompliziert, nur selten liegen ernsthafte Erkrankungen vor.

Der Versuch, schmerzhafte Bewegungen durch Schonhaltung zu vermeiden, führe dazu, dass bislang noch nicht schmerzende Muskelgruppen überlastet würden. Auf diese Weise greife die anfänglich örtlich begrenzte Verspannung mitunter auf den ganzen Rücken über.

Sportmediziner raten bei akuten, aber unkomplizierten Rückenschmerzen mehrmals am Tag fünf bis 15 Minuten spazieren zu gehen, auch leichtes Fahrrad-Ergometertraining könne schnell zu einer Besserung beitragen. Längeres Liegen oder Sitzen – außer in einer Entlastungslage – solle man vermeiden. Und auf keinen Fall sollte man sich zwischendurch ins Bett legen, so der Experte.


(djd). „Ich hab' Rücken!“ Eine Klage, die man nahezu ständig hört. Einseitige Körperhaltung durch zu langes Sitzen, genereller Bewegungsmangel und Stress sind die häufigsten Auslöser von andauernden Beschwerden „im Kreuz“. Die Zahl der Betroffenen in Deutschland nimmt laufend zu. Neben einer verkrampften Muskulatur sind es vor allem die sie umgebenden Faszien, die bei der Schmerzentstehung eine entscheidende Rolle spielen. Dieses Netz aus zugfesten (kollagenen) und sehr dehnfähigen (elastinen) Fasern durchzieht den gesamten Körper und ist mit den Muskelsehnen verbunden, die wiederum am Knochen haften. 

Eine Vielzahl an Funktionen

Die Faszien erfüllen zahlreiche Funktionen: Sie sorgen für die Aufrechterhaltung der Körperspannung, dienen der „Aufhängung“ der inneren Organe und schützen Knochen, Gelenkkapseln, Muskelstränge und Nervenbahnen vor Druck von außen. Durch eingangs genannte Risikofaktoren sowie ungesunde Ernährung, zunehmendes Alter und anhaltenden Stress sinkt die Fähigkeit des Fasziengewebes, Wasser zu speichern, und es verliert seine Flexibilität. Die Fasern verhärten, verwachsen oder verfilzen miteinander.

Dies schränkt die Muskelbewegung ein und führt durch Druck und Schädigung der Nerven sowie Reizung der Schmerzrezeptoren zu oft heftigen Beschwerden - gerade im Bereich des Rückens. Zur Behandlung sind zwei Dinge besonders wichtig: die Geschmeidigkeit des Gewebes wiederherzustellen und die Nervenregeneration anzuregen. „Der gleichzeitige Einsatz von Uridinmonophosphat (UMP), Vitamin B12 und Folsäure kann körpereigene Reparaturprozesse unterstützen und damit dazu beitragen, Schmerzmittel zu reduzieren“, so Dr. Joachim Merk, Sportpädagoge und Physiotherapeut.

Eine Studie mit über 200 Patienten hat gezeigt, dass eine 60-tägige Einnahme von Keltican forte, einem Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke (bilanzierte Diät), die natürlichen Reparaturprozesse fördern und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern kann.

Ebenso wichtig ist ein gezieltes Faszientraining. Hier liegt der Fokus beim Verfeinern, Federn, Dehnen und Beleben.


Rostock. Nicht nur Erklärvideos für noch ungeübte Heimwerker liegen voll im Trend.

Online werden inzwischen auf verschiedenen Kanälen und Plattformen ganze Trainingskurse präsentiert. Aber was bringen diese Kurse und worauf sollten Interessierte achten?

Dazu befragte OZ den Direktor der Orthopädischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Rostock, Professor Dr. med. habil. Wolfram Mittelmeier.

„Ich freue mich über jede Maßnahme, die meine Patienten oder unsere Bevölkerung in Bewegung hält, ohne sie zu schädigen. Wenn man Sport treibt und sich bewegt, ist das erst einmal gut. Aber es ist auch schwierig, es für jeden richtig zu machen!“, sagt der Klinikchef, der auch darauf hinweist, dass allerdings die Gefahr bestehe, dass man bei einem Online-Training Dinge macht, mit denen man sich überfordern oder etwas falsch anwenden kann.


„...nicht jeder, der online etwas anbietet, ist auch fachlich dafür ausgebildet. Deshalb sollte man sich schon vergewissern, dass diejenigen, die das machen, es auch können.“

Prof. Dr. med. habil.Wolfram Mittelmeier, Direktor der Orthopädischen Klinik und Poliklinik der Unimedizin Rostock


„Denn nicht jeder, der online etwas anbietet, ist auch fachlich dafür ausgebildet. Deshalb sollte man sich schon vergewissern, dass diejenigen, die das machen, es auch können. Selbst sollte man sich dabei die Frage stellen: Habe ich einen Vorteil davon oder erkaufe ich mir womöglich Gesundheitsschäden?“ Es gebe aber durchaus auch gute Onlineportale, räumt der Mediziner ein und berichtet: „Wir haben als Klinik gerade ein Programm ausprobiert, zusammen mit einem Prothesenhersteller, um zu sehen, ob wir unseren Patienten zu Hause das Leben erleichtern können. Wir haben das be-patient-Programm unseren Patienten angeboten mit einer Broschüre, wo es erklärt wurde. Das haben leider kaum welche von ihnen wahrgenommen. Dann haben wir es den Patienten nahegelegt bei der Aufnahme.“

15 Prozent der Patienten hätten es sich nur angesehen und erklärt, das sei nichts für sie und weitere 15 Prozent hätten am Ende wirklich mit dem Programm trainiert. Aber der größre Anteil von 70 Prozent hätte sich gar nicht damit befasst. „Dennoch glaube ich, dass es ein großes Potenzial für Online-Training gibt. Gerade in unserer ländlich geprägten Region, wo es nicht in jeder Ecke einen Sportverein gibt, kann das eine sinnvolle Ergänzung sein. Aber man sollte trotzdem vorsichtig sein und für sich klären, ob es einem gut tut oder nicht. RoBa

5
/
22
Datenschutz