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Home Sonderthemen Wismar Eine Sammlung als Reise in die Geschichte
14:23 15.05.2019
Die Freilichtanlage des Bechelsdorfer Schulzenhofes in Schönberg. Foto: privat

Wer nach Schönberg kommt, darf einen Ort beim Ausflug in die Maurinestadt auf gar keinen Fall vergessen: Es ist das Volkskundemuseum, Am Markt 1 im ehemaligen Kochschen Haus gelegen. Hier wird die Geschichte des einstigen Ratzeburger Landes in eindrucksvoller Art und Weise reflektiert.

„Mit einfachen Sätzen wollen wir die Geschichte des kleinen Fürstentums Ratzeburg und der Region erklären“, so Museumschef Olaf Both. So erfährt der Besucher etwas über regionale Trachten, aber auch die Lebensweise der Menschen. Es ist Geschichte zum Anfassen, die erlebbar gemacht wird. Denn es sind Unikate aus vergangener Zeit, die hier bestaunt werden können. Dazu gehört zum Beispiel eine alte Sanduhr um 1800. Eingesetzt wurde sie beim Hofdienst, um so die Zeit der Abwesenheit zu bestimmen. Wer etwas weiter geht, der entdeckt die alte Schützenzunftkette. Dazu kommen noch reich verzierte Möbel und Objekte, die nur hier besichtigt werden können.

700 bis 800 Objekte sind hier zu sehen. Der gesamte Fundus ist mit etwa 18 000 Objekten aber weitaus größer. Auch das vermittelt Both und seine Mitarbeiterin Sabine Ebeling bei den Führungen durch das Museum.


Museumsleiter Olaf Both prüft, ob die Brote gut sind oder noch einmal in den Lehmbackofen müssen. Foto:Dirk Hoffmann
Museumsleiter Olaf Both prüft, ob die Brote gut sind oder noch einmal in den Lehmbackofen müssen. Foto:Dirk Hoffmann

Was dabei besonders auffällig ist: Die meisten Besucher möchten eine Rundum- Versorgung. Konkret bedeutet das: Sie wollen sich die musealen Stücke ansehen, etwas zur Geschichte erfahren und im Anschluss daran gerne auch bei einer Tasse Kaffee und Kuchen all das noch einmal Revue passieren lassen. Im Museum erfüllt man ihnen diesen Wunsch gerne, so Both. Auffällig ist auch, dass mehr Reisegruppen als je zuvor ins Museum kommen. Ein wichtiger Punkt dabei ist, so Both, die mit dem Umzug vom alten Standort ins Kochsche Haus gewonnene Barrierefreiheit. Und wer im Museum ist, der möchte auch die Anlage des Bechelsdorfer Schulzenhofes besuchen. Die Freilichtanlage hat mit die ältesten Bauernhäuser von Mecklenburg- Vorpommern. Dazu gehören das Wohnhaus um 1530 und die noch etwas ältere Scheune. Als Freilichtmuseum waren sie in den 1960er Jahren von Bechelsdorf nach Schönberg umgesetzt worden. Im Bauernhaus können sich die Besucher unter anderem eine Stube, Küche und weitere Kammern mit Mobiliar aus vergangenen Zeiten ansehen. In der Scheune treffen sie auf alte Gerätschaften aus der Landwirtschaft. Hier steht zum Beispiel eine Kartoffelsetzmaschine aus Retelsdorf. Weitere, heute kaum noch bekannte Geräte wie eine Torfsäge, eine Getreidesortiermaschine, einen Mehlsackklopfer uvm. können in der Scheune und auch auf dem Freigelände besichtigt werden. Außerdem wird in dem Lehmbackofen regelmäßig Brot gebacken. Und wie beliebt diese Anlage ist, das zeigt auch der seit vielen Jahren hier stattfindende Herbstmarkt. Er ist immer sehr gut besucht.

Darüber hinaus war im vergangenen Jahr das Archiv des Museums 18mal von Forschenden genutzt worden. Zu ihnen gehörten unter anderem das Grenzhus Schlagsdorf oder auch das Ernst-Barlach-Gymnasium aus Schönberg. Außerdem stellte Museumsleiter Olaf Both in Orten wie Grevesmühlen, Warin, Schwerin, Göldenitz oder auch Lübeck eigene Forschungsergebnisse vor.

Durch den erwähnten Umzug in das Kochsche Haus belebt das Volkskundemuseum den Markt, rückt dabei noch mehr als je zuvor in den Blickpunkt des Interesses von Einheimischen wie auch Urlaubern. Dem wird man gerecht, denn auch wertvolle Hinweise zu Unterkünften und Fahrradwegen findet man hier, wo unter anderem auch Postkarten, Landkarten und teilweise sogar Bücher erworben werden können.

5300 Besucher zählten das Museum und der Bechelsdorfer Schulzenhof im vergangenen Jahr. Mitgezählt worden waren auch die Besucher des Museumsfestes, das alle zwei Jahre in Schönberg stattfindet. Both rechnet deshalb 2019 mit etwa 4000 Menschen, die kommen werden. DH

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