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Home Sonderthemen Rostock Ein Diamant als ewiges Andenken
08:03 15.11.2019
Aus nur wenigen Gramm Haaren entsteht ein Erinnerungsdiamant. Foto: privat

Von Wolfgang Thiel 

Die Bestattungspraktiken ändern sich im Laufe der Zeit. Eine eher seltenere Form, der Abschiedsdiamant aus der Asche von Verstorbenen, ist jüngst in ihrer Wirkung auf die Hinterbliebenen und deren Trauer-Prozess in einer Studie unter Beteiligung der Theologischen Fakultät der Universität Rostock untersucht worden.

Woran macht sich Erinnerung an einen Menschen fest? „Gebräuchlich sind nach dem Tod eine Uhr, eine Locke, Fotos“, sagt Professor Thomas Klie von der Theologischen Fakultät der Universität Rostock. Kulturgeschichtlich neu seien Erinnerungsdiamanten, lässt der Theologe wissen. Hält inne, weiß, dass „das Verfahren umstritten ist“. Eine Schweizer Firma bietet diese Edelsteine der besonderen Art, die mit einem technisch aufwendigen Verfahren entstehen, seit etwa 15 Jahren aus der Asche von Verstorbenen an.

Die Universität Rostock hat in einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit den Soziologen Dr. Thorsten Benkel und Matthias Meitzler von der Universität Passau Kunden der Schweizer Firma befragt. „Uns interessierte, was Menschen mit dem Diamanten machen und welche Funktion er im Trauer-Prozess hat“, sagt Prof. Klie. Überraschend sei gewesen, dass viele Hinterbliebene den Diamanten beleben, indem sie zum Beispiel mit ihm sprechen. „Der Verstorbene ist der Diamant.“ Professor Klie dazu: „Das hat uns in dieser Eindeutigkeit überrascht.“ Im Unterschied zu einem Erbstück, das an den Verstorbenen erinnere, erzeuge der Diamant eine viel stärkere Bindung. „Er repräsentiert den Toten“, verweist Professor Klie auf eines der Ergebnisse aus der Studie. Die Interviews der Studie werden Ende November in dem Buch „Der Glanz des Lebens“ erscheinen, das Thomas Klie mit verfasst hat.

Ein Erinnerungsdiamant wird aus der Kremierungsasche oder den Haaren eines toten Menschen hergestellt. Dazu wird Kohlenstoff aus der Asche gewonnen und unter hohem Druck zu einem Rohdiamanten gepresst. Dieser wird mit oder auch ohne Schliff den Hinterbliebenen übergeben. In Deutschland ist das noch nicht erlaubt. Ob sich das ändert, entscheiden die Länder. In Mecklenburg-Vorpommern legt die Experten-Kommission Bestattungskultur des Landtages Ende des Jahres ihren Bericht vor. Einige Bestatter haben das Abfüllen kleiner Mengen Kremierungsasche allerdings längst schon im Angebot. Manche füllen damit auch kleine Schmuckgegenstände aus Glas.

„Ich glaube, dass der mobile Mensch von heute Mühe mit einem fest fixierten Grab auf einem Friedhof hat und für viele das ambulante Trauergedenken eine hohe Stimmigkeit besitzt“, sagt der Rostocker Theologie-Professor. Er räumt allerdings ein: „Es ist für mich eine logische Entwicklung für eine wachsende Minderheit. Aber es wäre persönlich nicht meine erste Wahl.“ Und Professor Klie gibt zu bedenken: „Unbestritten ist, dass mit dem Diamanten keine Abschiednahme im ursprünglichen Sinne stattfindet, außer, wenn die Restasche regulär beigesetzt wird. Dann gibt es ein Grab und einen Diamanten.“ Offen bleibe die Frage, so Professor Klie, wie sich dadurch Trauerprozesse wandeln werden.


Bei einem Vorgespräch in lockerer Atmosphäre erzählen die Angehörigendem Trauerredner vom Verstorbenen.
Bei einem Vorgespräch in lockerer Atmosphäre erzählen die Angehörigendem Trauerredner vom Verstorbenen.

Wenn ein Familienmitglied oder enger Freund verstirbt, wünschen sich die Hinterbliebenen eine würdevolle Trauerfeier. Früher hielt man diese in einem religiösen Rahmen ab, heutzutage ist das kein Muss mehr.

Falls der Angehörige nicht Mitglied einer Kirche war oder die Familie keine kirchlich geprägte Feier wünscht, bietet sich eine weltliche Form des Abschieds an. Bei solch einer freien Zeremonie steht nicht der Gedanke an Gott, sondern der Verstorbene selbst, sein Leben und sein Charakter im Mittelpunkt.

Eine freie Trauerfeier muss nicht nach starren Regeln ablaufen, sondern lässt sich im Gegenteil genauso individuell abhalten, wie das Leben des Verstorbenen war.

Trauerredner begleitet die Hinterbliebenen

Unmittelbar nach dem Tod des geliebten Menschen fällt es schwer, eine schöne Gedenkfeier zu organisieren und womöglich noch selbst über die verstorbene Person zu sprechen. Diese Aufgabe übernimmt oft ein Trauerredner. Er hilft bei der Organisation der Feierlichkeit, gestaltet den Tag im Sinne des Verstorbenen und begleitet die Trauergäste beim letzten Gang. „Die Zeremonie sollte immer individuell gestaltet werden und die Persönlichkeit des Verstorbenen widerspiegeln“, erklärt Andreas Schaufler, zertifizierter Trauerredner aus Erlangen. „Trotzdem können Rituale den Familienmitgliedern Sicherheit geben und bei der Trauerbewältigung helfen.“

Gemeinsam den Abschied planen

Auf den Internetseiten regionaler Trauerredner und Bestattungsunternehmen erfahren Hinterbliebene mehr über die Arbeitsweise eines Trauerredners und auch über dessen Honorar. Wichtig ist, dass ein Trauerredner sich viel Zeit für das Vorgespräch nimmt. Bei dieser Gelegenheit erläutert die Familie ihre Wünsche und Vorstellungen für die Feier und erzählt aus dem Leben des Verstorbenen. Gemeinsam legt man dann unter anderem fest, wie die Trauerrede gestaltet sein soll und welche Musik erklingt. So ist es beispielsweise möglich, dass Lieder ausgewählt werden, die der Verstorbene gern gehört hat, die im Kontext zu ihm stehen oder die ganz einfach Trost spenden. djd
  

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