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17:31 29.10.2019
Aushub einer Baugrube. Foto: Verband Privater Bauherren/RB Tübingen

Möchten sich Bauherren den Traum vom Eigenheim verwirklichen, müssen viele Dinge bedacht werden. Manche werden einem erst bewusst, wenn die Zeit schon drängt. Daher ist es ratsam, sich im Vorfeld ausreichend über das Thema Bauen zu informieren. Ein frühzeitiges Gespräch mit Fachberatern der Haushersteller hilft dabei Wissenslücken zu schließen. Denn ist erst einmal das Grundstück gekauft, die Bemusterung des Hauses vollzogen, die Entscheidung für ein Haus mit Keller oder Bodenplatte gefallen und die Baugenehmigung erteilt, dann kann es schnell gehen: Als erstes stehen auf der Baustelle die Erdarbeiten an.

Der erste Schritt auf der Baustelle sind die Erdarbeiten, die nicht zwingend in der Bauleistungsbeschreibung des Hausherstellers enthalten sein müssen. Auch der Hersteller der Bodenplatte oder des Kellers ist nicht verpflichtet, die Erdarbeiten mit anzubieten. Zwar gibt es Haushersteller sowie Kellerbauer, die diesen Leistungspunkt im Vertrag aufführen. Aber im Regelfall gehört das nicht ins Angebot, sondern läuft unter dem Stichwort Baunebenkosten. Der Umfang der Erdarbeiten wird zwischen Bauherr und Erdbauunternehmen vereinbart und abgerechnet. Allerdings werden alle technischen Details zwischen Haushersteller, Kellerbauer und Erdbauunternehmen besprochen, sodass ein reibungsloser Ablauf auf der Baustelle garantiert werden kann. Die Erdarbeiten teilen sich grundsätzlich in drei Bereiche auf: Aushubarbeiten, Abfahren des Aushubs und Verfüllarbeiten.
        

Zu den Aushubarbeiten gehört das Abgraben des Oberbodens (Humusschicht) auf dem Baugrundstück. Im Regelfall wird eine Schicht mit rund 20 Zentimeter Tiefe abgetragen und auf dem Grundstück gelagert oder abgefahren. Diese Erdschicht wird beim Verfüllen wieder verwendet und ermöglicht später ein schnelles Wachstum für Pflanzen sowie den Rasen. Anschließend wird die eigentliche Baugrube ausgehoben, die entweder für eine Bodenplatte oder einen Keller nötig ist. Zudem müssen auch Kanäle für Leitungen, Abwasser, Leerrohre oder Flächen für Zisternen ausgegraben werden. Die Kosten der Aushubarbeiten richten sich je nach Bodenklasse, die in der DIN 18300 festgelegt ist. Ebenso werden die eingesetzten Maschinen und die Fachkräfte, die das Unternehmen für die Erdarbeiten benötigt, mit eingerechnet.

Um das abgetragene Erdreich an eine Deponie abführen zu dürfen, fordern Städte und Gemeinden meistens im Vorfeld eine Bodenanalyse: Damit soll verhindert werden, dass Deponien mit eventuellen Gefahrenstoffen wie Schwermetallen oder Altlasten verunreinigt werden. Sollte der Boden dennoch belastet sein, muss dieser gesondert deponiert werden. Dementsprechend können auch die Kosten für die Entsorgung des Erdreichs steigen. Grundsätzlich macht die Deponierung des Erdreichs zwischen 30 bis 50 Prozent der Kosten für die Erdarbeiten aus.

Ist das Kellergeschoss errichtet oder die Bodenplatte gegossen, kann mit den Verfüllarbeiten begonnen werden. Besonders in den Bereichen, die später befestig sein sollen wie Zufahrten, Fußwege oder Stellplätze, müssen Maßnahmen gegen Setzungsprozesse durch Witterungseinflüsse erbracht werden. Daher empfiehlt sich ein filterstabiles und setzungsfreies Material wie Kiessand zu verwenden. Der auf dem Grundstück befindliche Mutterboden (Oberboden) kann dann um das Haus verteilt werden, sodass später einer schnellen Begrünung nichts im Wege steht. Die Kosten für die reinen Erdarbeiten belaufen sich je nach Bodenzusammensetzung, Baugrundstück, Lage und weiteren individuellen Anforderungen meist zwischen 10 000 und 20 000 Euro. Die durchschnittlichen Kosten sollten angehende Baufamilien unbedingt mit in die Kalkulation der Baunebenkosten einfließen lassen.
      

Das Bodengutachten ist nicht nur für die Baufamilie wichtig, um Gewissheit zu haben, dass sie auf gesundem Boden bauen und leben. Auch für Statiker, Kellerbauer und Tiefbauunternehmen bringt ein Bodengutachten einen wichtigen Nachweis über die Bodenbeschaffenheit für den anstehenden Hausbau.

Ebenso können etwaige Mehrkosten für die Erdarbeiten vorab aufgedeckt oder ausgeschlossen werden. Unter Umständen muss der Boden ausgetauscht werden, da dieser durch Altlasten gesundheitsbedenklich ist oder da die Tragfähigkeit nicht gegeben ist. Gerade bei sandigen oder geröllartigen Böden (Schotterböden) fehlt die Bindung (Kohäsion) innerhalb des Erdreichs und damit kann die Statik nicht eindeutig berechnet werden.

Hingegen sorgen lehmige Böden für Stabilität des Bodens, können aber hoch stehendes Grundwasser aufweisen. Wenn das Grundstück in geraumer Tiefe Grundwasser beherbergt, bereitet das dem Keller sowie der Statik oftmals Probleme. Allerdings haben Kellerbauer hier Lösungen parat, wie „schwimmende Keller“, Grundwasser nichts anhaben kann.

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