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Home Sonderthemen Sonstiges Andachten am Sonntag auf den Friedhöfen
10:43 21.11.2018
Auf dem Friedhof Tannenkamp findet eine Andacht statt.

Vorpommern – In allen Kulturen und Religionen nimmt das Totengedenken einen wichtigen Platz ein. Allerdings lehnten die Reformatoren den katholischen Seelenkult ab und schafften das Allerseelenfest (2. November) in den evangelischen Kirchen ab. Nun musste es einen anderen Tag geben, an dem aller Toten gedacht wird. König Friedrich Wilhelm III. von Preußen ordnete 1816 an, jeweils am letzten Sonntag des Kirchenjahres, dem letzten Sonntag vor dem 1. Advent, der Verstorbenen zu gedenken.

Anders als staatliche Feiertage wie zum Beispiel der Volkstrauertag ist der Totensonntag, auch Ewigkeitssonntag, nicht gesetzlich festgelegt. Dennoch unterliegt er in allen Bundesländern einem bestimmten Schutz beziehungsweise bestimmten Einschränkungen, die in den Feiertagsgesetzen festgelegt sind. Als so genannter „Stiller Feiertag“ gilt am Totensonntag unter anderem das Tanzverbot.

An der Wolgaster Gertrudenkapelle findet am Sonntag um 15.30 Uhr eine Andacht mit Bläsern statt.
An der Wolgaster Gertrudenkapelle findet am Sonntag um 15.30 Uhr eine Andacht mit Bläsern statt.

Am Ewigkeitssonntag besuchen die Menschen die Friedhöfe. Schon im Vorfeld haben sie die Gräber ihrer Angehörigen geschmückt. Die Verstorbenen des ausgehenden Kirchenjahres werden namentlich im Gottesdienst genannt und zusammen mit ihren Angehörigen in das Fürbittengebet mit aufgenommen.

Totengedenken auf den Friedhöfen am 25. November

Freest um 13.30 Uhr: Andacht mit Posaunenchor und Pastor Jörn-Peter Spießwinkel auf dem Friedhof

Kröslin um 15 Uhr: Andacht mit Posaunenchor und Pastor Jörn-Peter Spießwinkel auf dem Friedhof

Wolgast um 14.30 Uhr: Andacht mit Posaunenchor auf dem Friedhof Tannenkamp 15.30 Uhr: Andacht mit dem Posaunenchor auf dem Alten Friedhof (St. Gertrud)

Bansin um 15 Uhr: Andacht mit den Bläsern der Landeskirchlichen Gemeinschaft auf dem Friedhof


Bestatter Andreas Schulz.
Bestatter Andreas Schulz.

Und wieder ist ein Jahr vergangen. Ein Blick aus dem Fenster zeigt uns, dass sich das Jahr 2018 mit all den vielen Ereignissen, mit all seinen Erfolgen und Misserfolgen dem Ende neigt. Der Herbst, geschmückt mit leuchtend bunten Blättern sagt uns, dass die Natur sich auf ihre Vegetationsruhe vorbereitet. Bei Hans Christian Andersen fand ich passend zur bevorstehenden Zeit ein Weihnachtsmärchen. Es heißt „Der letzte Traum der alten Eiche“. Der dänische Dichter beschrieb diese Zeit wie folgt: „… der Baum durchwacht die drei Jahreszeiten. Erst gegen den Winter findet er seinen Schlaf, der Winter ist seine Ruhe Zeit, er ist seine Nacht nach dem langen Tag, der Frühling, Sommer und Herbst heißt“.

Auch für uns Menschen kommt nach einem Frühling, Sommer und Herbst irgendwann auch einmal im übertragenen Sinne der Winter. Es ist unsere Zeit des Abschieds. Es ist seit Langem ein alter Brauch, dass wir uns am letzten Sonntag vor dem 1. Advent, am Totensonntag oder auch Ewigkeitssonntag genannt, besonders an unsere Verstorbenen erinnern. Seinen Ursprung hat dieser Tag aufgrund einer Verordnung von König Friedrich Wilhelm III von Preußen zum „allgemeinen Kirchenfest zur Erinnerung an die Verstorbenen“ vom 25. November 1816 für die evangelische Kirche in den preußischen Gebieten. Was damals durch die Obrigkeit noch festgelegt wurde, hat sich heute zu einem für viele Menschen festen Ritual entwickelt. In einer Zeit, die durch Rastlosigkeit und Unruhe geprägt ist, in der das Heimatgefühl manchmal verloren zu sein scheint, ist es für viele wichtig, wieder zu Ruhe zu kommen. Der Friedhof ist zum Beispiel so ein besonderer Ort. Ein Ort der Stille und des Friedens. Ein Ort, um einmal alles hinter sich zu lassen und sich Zeit zu nehmen, um unseren Verstorbenen zu gedenken. Mit dem Gedenken geht einher, dass wir die Gräber für die Winterzeit mit Tannengrün abdecken und schmücken. Alles kommt zur Ruhe und wartet auf ein Erwachen im Frühling. Der Totensonntag beziehungsweise Ewigkeitssonntag zeigt uns jedes Jahr immer wieder, dass alles endlich ist. Was nutzt uns Reichtum und Erfolg zulasten anderer, wenn wir davon nichts mitnehmen können. Wann fangen wir an zu begreifen, dass zum Leben auch gehört, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen. Das Leben ist doch nur deshalb so wertvoll, weil es begrenzt ist. Lassen Sie uns alle an diesem besonderen Tag also nicht nur innehalten und unserer Toten gedenken, sondern nutzen wir diesen Tag auch, Menschen, die wir schon lange nicht mehr gesehen oder gesprochen haben, einmal wieder zu besuchen oder mit ihnen zu telefonieren. Lassen Sie uns an diesem Tag wieder ein wenig näher zusammenrücken und die Herzen füreinander öffnen.

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