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Home Sonderthemen Gesundheit & Wellness Plötzlich bröckelt der Kinderzahn
10:40 09.03.2018
Prof. Christian H. Splieth, Abteilungs-Chef an der Greifswalder Unimedizin, präsentiert einen Zahnärztlichen Kinderpass. „Bereits in den ersten Lebensjahren werden die Grundlagen für eine gesunde Zahn- und Kieferentwicklung gelegt“, betont der Experte. FOTO: CHRISTIAN RÖDEL

Greifswald. Trotz guter Zahnpflege, gesunder Ernährung und des Genusses weniger Süßigkeiten leiden Erstklässler plötzlich unter massiven Zahnproblemen. Betroffen sind vor allem die Front- und die hinteren Backenzähne, die das Milchgebiss ersetzen. Über die Ursachen dieser sehr schmerzhaften Mineralisationsstörungen – Molaren-Inzisiven-Hypominearalisation (MIH) genannt – sprach die OSTSEE-ZEITUNG mit Prof. Christian H. Splieth (53), Leiter der Abteilung für Präventive Zahnmedizin & Kinderzahnheilkunde der Greifswalder Unimedizin.

Plötzlich häufen sich MIH-Fälle in Deutschland. Wie zeigen sich diese Mineralisationsstörungen?

Prof. Christian H. Splieth: Die nachwachsenden Frontzähne und die ersten vier bleibenden Backenzähne, die sogenannten Sechser oder Sechs-Jahres-Molaren,weisen weiße und gelb-braune Verfärbungen auf. Ungefähr zur Hälfte sind die Schädigungen massiv und die Zähne zerbröseln regelrecht.

Sind tatsächlich bei etwa der Hälfte der betroffenen Kinder diese Defekte extrem schmerzhaft?

Mineralisationsstörung – der Zahn ist gelb-braun verfärbt. FOTO: UNIMED
Mineralisationsstörung – der Zahn ist gelb-braun verfärbt. FOTO: UNIMED

Wer sich nicht auf Kinderzahnheilkunde spezialisiert hat, könnte die Reaktionen der kleinen Patienten für übertrieben halten. Zwar handelt es sich in 50 Prozent der Fälle um reine Verfärbungen des Zahnschmelzes. Doch die andere Hälfte der Betroffenen hat tatsächlich sehr starke Schmerzen. Da reicht schon der Einsatz der Zahnbürste oder eines kleinen Luftgebläses, um etwa Zahnzwischenräume zu reinigen, und die Lütten müssen Qualen erdulden.

Sie und Ihr Greifswalder Team gehören zu den bundesweit wenigen Spezialisten in der Kinderzahnheilkunde. Worin liegen die Ursachen für MIH?

Diese sind nicht endgültig geklärt. Es gibt mehrere Erklärungsansätze, weshalb die Zähne nicht mineralisiert sind. So werden hohe Fieberschübe bzw. die Nebenwirkungen von Medikamenten als Erklärungsmuster diskutiert. Wir vermuten,dass die schmelzbildenden Zellen bei den Betroffenen im Zeitraum kurz nach der Geburt geschädigt werden. Babys leiden in der Regel nämlich häufiger unter massiven fiebrigen Infekten.

In Deutschland treten Mineralisationsstörungen bei rund 15 Prozent der Grundschüler auf. In MV beträgt der Anteil nur rund fünf Prozent. Gibt es dafür eine Erklärung?

Auch darauf gibt es noch keine schlüssige Antwort. In den 80er Jahren wurde über derartige Fälle erstmals in Schweden berichtet. Es könnte sein, dass die Problematik durch die vorherrschenden hohen Kariesniveaus schlichtweg überlagert wurde.

Wie können Sie MIH-Patienten – teils nehmen die Kinder über Monate keine feste Nahrung mehr zu sich – helfen?

Jede Woche betreut unsere Abteilung für Präventive Zahnmedizin und Kinderzahnheilkunde mehrere dieser Patienten, auch aus anderen Bundesländern. Die Therapie umfasst das Versorgen kleinerer Defekte mit zahnfarbenen Kunststoffen. Zudem können Problembereiche versiegelt bzw. mit Kunststoffen verfüllt werden. Zuvor wird den Kindern häufig das Schmerzmittel Paracetamol verabreicht, um die Entzündung zu reduzieren und überhaupt eine Therapiefähigkeit zu erzielen. In schwerwiegenden Fällen wird eine Stahlkrone aufgesetzt. Ab dem elften Lebensjahr verspricht oft das Ziehen der desolaten Zähne den größten Erfolg.

Zahnschmelz – superhartes Material

Die Zähne des Menschen bestehen aus verschiedenen Mineralien. Diese werden von bestimmten Zellen während der Zahnentwicklung gebildet. Dieser Prozess beginnt im Mutterleib und endet, wenn der letzte bleibende Zahn durchgebrochen ist. Der Zahnschmelz, die millimeterdicke oberste Schicht menschlicher Zähne, ist das härteste Material, das der Körper produziert.

Zahnärzte beantworten Leserfragen

Heute OZ-Telefon-Forum zur Zahngesundheit

Dr. Burkhard von Schwanewede
Dr. Burkhard von Schwanewede
Dr. Anke Schreiber FOTOS (2) : PRODENTE
Dr. Anke Schreiber FOTOS (2) : PRODENTE

Rostock. Der Zahngesundheit sollte bis in das hohe Alter hinein viel Augenmerk gewidmet werden. Voraussetzungen sind eine gründliche Pflege und die stetige Kontrolle durch die Fachleute. Durch eine gute Mundhygiene sollte zum Beispiel bakterieller Zahnbelag bekämpft werden. Er ist Risikofaktor Nummer eins für Zahnerkrankungen, wie Parodontitis. Ist diese heilbar? Welche Therapien helfen? Wie steht es um die Kosten – was übernehmen die Kassen? Was ist bei Zahnfleischbluten zu tun? Wie sind die Bonushefte zu führen? Sollten alle Amalgam-Füllungen raus? Wie sieht Zahnpflege bei Senioren aus? Wann kommt der Zahnarzt zum Hausbesuch? Diese und alle anderen Fragen rund um die Zahnprobleme beantworten Ihnen, liebe Leser, heute drei Experten beim OZ-Telefon-Forum.

Zahnarzt Michael Heitner
Zahnarzt Michael Heitner

Die Wismarer Zahnärztin Dr. Anke Schreiber sowie die Rostocker Stomatologen Dr. Burkhard von Schwanewede und Michael Heitner stehen dabei Rede und Antwort.

Von 11.00 bis 13.00 Uhr sind die Fachleute unter 03 81/36 51 00 zu erreichen!


Ruppin Zahntechnik Bethmann GmbH

Mundhygiene wichtig für Implantat

Düsseldorf. Wie gut ein Zahnimplantat hält, hängt auch vom Patienten selbst ab. Rauchen, eine schlechte Mundhygiene oder eine Zahnbettentzündung etwa sprechen möglicherweise gegen den Einsatz einer teuren künstlichen Zahnwurzel, erläutert die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Patienten sollten sich über Risiken ausführlich informieren. Sie zahlen nämlich nicht nur den Großteil des Zahnersatzes selbst, sondern tragen auch die Kosten für Folgebehandlungen. Der Zahnarzt sollte über Alternativen aufklären.


Rauchen fördert Parodontitis

Rostock. Die Mundgesundheit wird durch den Zigarettengenuss erheblich in Mitleidenschaft gezogen, stellt das Portal der Zahnmedizin fest. Beim Rauchen können die krebserregenden Substanzen frei auf Mundschleimhaut, Zahnfleisch, Zähne und Zunge einwirken.

Das Nikotin sorgt dafür, dass Schleimhäute und Zahnfleisch schlechter durchblutet sind, was Parodontitis zur Folge hat. Raucher haben somit ein fünffach höheres Risiko daran zu erkranken. Fatal ist, dass ein Zahnfleischbluten durch das Rauchen meist verhindert wird und somit erste alarmierende Zeichen einer Parodontitis nicht wahrgenommen werden.

Hinzu kommt, dass Raucher deutlich schlechter auf die Behandlung einer Parodontitis ansprechen und Zahnverlust häufig die Folge ist.


Entzündung der Prostata verringert

Rostock. Werden Zahnfleischprobleme behandelt, lindert das gleichzeitig Symptome, die mit einer Prostataentzündung einhergehen. Zu dieser Feststellung kamen Wissenschaftler von der Case Western Reserve University (USA).

Eine solche Parodontal-Behandlung wirkte sich bei einem Teil der 27 Studienteilnehmer positiv aus. Bei den Patienten war die Entzündung der Prostata durch eine Nadelbiopsie bestätigt worden. Sie wiesen zudem erhöhte Blutwerte für das prostataspezifische Antigen (PSA) auf. In dem Behandlungszeitraum von acht Wochen, in dem sich die Zahnfleischerkrankungen deutlich verbesserten, sank bei 21 Teilnehmern der PSA-Wert ab – selbst ohne eine Behandlung der Prostata.


Verfärbte Zähne kann man bleichen

Rostock. Um verfärbte Zähne wieder weißer zu machen, sollte man einen Zahnarzt aufsuchen und sich dort über die Möglichkeiten eines Bleachings (Bleichen) informieren. Hierbei werden Chemikalien eingesetzt, die vom Zahnarzt exakt aufgetragen werden und deren Wirkung durch eine zusätzliche Bestrahlung mit einer energiereichen Lichtquelle verstärkt wird. Nach der Behandlung ist der Zahnschmelz bis zu 48 Stunden später noch sehr empfindlich gegenüber Verfärbungen, daher versiegelt der Arzt die Oberflächen mit einem Fluorid-Gel.

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