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Home Sonderthemen Gesundheit & Wellness Ein Röhrchen für das Augenwasser
13:34 13.03.2018
Professor Anselm Jünemann, Chef der Augenklinik der Unimedizin Rostock, in einem seiner Arbeitsräume. Der Mediziner bereitet die Untersuchung eines Patienten vor, der an grünem Star leidet. FOTO: MATTHIAS SCHÜNEMANN

Von Matthias Schümann 

Rostock. Diese Krankheit kommt auf sehr leisen Sohlen, und wenn die Betroffenen sie bemerken, ist sie meist schon weit vorangeschritten: das Glaukom, der grüne Star.

Keine Schmerzen, keine Beeinträchtigungen, jedenfalls nicht am Anfang der Krankheit. Tatsache ist allerdings, dass sich das Gesichtsfeld der Betroffenen einschränkt, immer kleiner wird. Meist fällt erst dann den Erkrankten auf, wenn etwa 70 Prozent davon verschwunden sind.

Die Folgen des Glaukoms sind fatal. Denn nach und nach gehen Fasern des Sehnervs verloren. „Das passiert auch bei gesunden Menschen, aber eben nicht in diesem Ausmaß wie bei Patienten mit dem grünen Star“, sagt Professor Anselm Jünemann, Direktor der Universitäts-Augenklinik in Rostock.

Smile Eyes Augenzentrum Rostock

"Ziel ist es, den Verlust von Nervenfasern auf ein normales Maß zu bringen."

Prof. Anselm Jünemann, Uni-Medizin Rostock


Das Glaukom höhlt den Sehnerv praktisch aus, bis nichts mehr übrig ist. Die Folge: Die Betroffenen werden blind. Es gibt allerdings eine Ausnahme: den akuten Glaukomanfall. „Dabei sind die Augäpfel steinhart, die Betroffenen haben starke Schmerzen“, verdeutlicht Professor Jünemann. Der Glaukom- Anfall kann auch zu starken Kopfschmerzen und Erbrechen führen, weshalb manchmal Akut-Patienten in der Abteilung für Magen- Darm-Erkrankungen landen.

Ursache für den Abbau des Sehnervs ist erhöhter Augeninnendruck, der eben im Normalfall nicht bemerkt wird. Für die Behandlung bedeutet das: Der Druck muss gesenkt werden. „Ziel ist es, den Verlust von Nervenfasern auf ein normales Maß zu bringen“, sagt der bundesweit anerkannte Spezialist.

Die Behandlung des Augendrucks kann medikamentös erfolgen, aber auch durch einen kleinen Eingriff. Häufig praktiziert wird dabei die sogenannte Trabekulektomie. Dabei handelt es sich um einen ableitenden Eingriff. Konkret wird ein künstlicher Abfluss gelegt, durch den das überschüssige Wasser aus dem Auge fließen kann. Dabei legt der Operateur einen Zugang durch das schwammartige Gewebe des Trabekels, also das siebartige Geflecht im Auge.

Das Wasser fließt durch ein kleines Implantat. Es handelt sich um ein winziges Röhrchen aus Titan oder aus einem natürlichen Material, das auch nach Abschluss der Behandlung im Auge bleiben kann.

Bei der Behandlung des grünen Stars kommen auch Augentropfen zum Einsatz. Die Rostocker Augenärzte setzen aber eher auf operative Eingriffe. Zum einen sind sie wirkungsvoller. Zum anderen haben die Mediziner die Erfahrung gemacht, dass viele Patienten die Tropfen nicht regelmäßig oder am Ende gar nicht nehmen. Häufig haben die Betreffenden Schwierigkeiten, sie allein anzuwenden.

Bei allem stellt sich die Frage, wie es überhaupt zu dem erhöhten Augendruck kommen kann. „Das ist noch nicht vollständig geklärt“, sagt Professor Jünemann. Aus diesem Grund werden Patienten in der Uni-Augenklinik möglichst ganzheitlich betrachtet.

„Wir wissen zum Beispiel, dass Schnarchen und die Schlaf-Apnoe zu erhöhtem Augendruck führen können.“ Parallel zur Therapie empfiehlt der Arzt Nahrungsergänzungsmittel. Bestimmte Früchte, zum Beispiel die derzeit populäre Goji-Beere, können zur Senkung des Augendrucks beitragen. „Aber eine Garantie gibt es dafür nicht“, erklärt der Uni-Mediziner.

Unterdessen geht die Forschung an neuen Behandlungsmöglichkeiten weiter. Zum Einsatz kommen mittlerweile zum Beispiel Implantate, die mit Medikamenten beschichtet sind.

Der grüne Star lässt sich gut behandeln, wenn er frühzeitig erkannt wird, und das ist das Problem. „Jedes Auge ab 40 sollte untersucht werden“, sagt Professor Jünemann. Seit Längerem bemüht er sich um die Einführung eines Screenings, bislang aber vergeblich. „Das wurde bisher immer abgelehnt, weil der Nutzen nicht klar sei“, sagt der Augenspezialist. Aber der Nutzen sei erkennbar: Zwei Prozent der Menschen mit erhöhtem Augendruck erkranken früher oder später am grünen Star. Sie könnten rechtzeitig und mit Erfolg behandelt werden.


Diabetiker: Risiko auf Reisen

Berlin. Diabetiker müssen sich auf Reisen besonders vorbereiten. Vor allem in der ersten Nacht im Urlaub komme es oft zu Unterzuckerungen, erklärte der Altersmediziner Andreas Leischker auf der Reisemesse ITB in Berlin. Diabetiker sollten doppelt so viele Teststreifen mitnehmen, wie sie zu Hause im gleichen Zeitraum benötigen würden, riet der Chefarzt der Klinik für Geriatrie vom Alexianer- Krankenhaus in Krefeld (Nordrhein-Westfalen).

Denn unterwegs müsse der Blutzucker häufiger kontrolliert werden, zum Beispiel weil man häufig ungewohnte Speisen einnehme. Insulin und Blutzuckermessgerät gehören ins Handgepäck. Insulin hält sich bei einer Temperatur von 30 Grad Celsius mindestens vier Wochen. Bei 40 Grad Celsius verliert es dagegen seine Wirkung. „Das Medikament in warmen Ländern also nicht im Auto liegen lassen“, warnt Leischker. Die Wirkung des Insulins geht auch bei Minusgraden verloren – daher sollte man es in kalten Regionen unter der Kleidung tragen.


OP-Schmerz nicht selbst behandeln

Köln. Wer sich einer Zahn-Operation unterzogen hat, sollte danach nur die vom Zahnarzt verschriebenen Schmerzmittel einnehmen. Die eigenmächtige Einnahme von Acetylsalicylsäure beispielsweise kann eine Nachblutung auslösen, warnt Prof. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer. Raucher sollten vor und nach dem Eingriff nicht zur Zigarette greifen. Zigarettenrauch stört die Wundheilung, erklärt die Initiative „pro Dente“. Es kann zu Entzündungen oder Gewebeschädigungen kommen.

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